Er gilt als einer der großen Denker und Universalgelehrten seiner Zeit: Nikolaus von Kues, der im Jahre 1401 als Nikolaus Cryfftz in dem damaligen Örtchen Kues an der Mosel, heute Bernkastel-Kues, das Licht der Welt erblickte. Dass es sein Vater Johann Cryfftz als Mosel-Schiffer und Kaufmann zu Wohlstand gebracht hatte, lässt sich noch heute an dem eindrucksvollen Geburtshaus mit der weißen Fassade, den rot-akzentuierten Fenstern und dem Zinnenabschluss ablesen. Auch das Wappen in der Fassade, ein von zwei Engeln gehaltener roter Krebs als Anspielung auf den Namen (Cryfftz = Krebs), deutet auf das ausgeprägte Selbstverständnis der Familie, zum Patriziat von Kues zu gehören.
Die Karriere, die Nikolaus machte und die Bedeutung, die er im Laufe seines Lebens und Wirkens erlangte, ist von immenser Bedeutung. Als Schützling des Trierer Erzbischofs Otto legte Nikolaus eine atemberaubende Priesterlaufbahn hin, in der er in einem rasanten Tempo immer mehr und wichtigere Ämter und Pfründe zu sammeln verstand, bis er 1448 zum Kardinal ernannt wurde und kurze Zeit darauf sogar zum Generalvikar und damit zweiten Mann im Kirchenstaat. Neben der kirchlichen Laufbahn war er Philosoph – hier Vertreter des Neuplatonismus – und überzeugte mit seinen Überlegungen zur Mathematik und Physik auch als Naturwissenschaftler.

Das St. Nikolaus-Hospital/Cusanusstift in Bernkastel-Kues – unser Objekt des Monats – hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Werk und Andenken an Nikolaus von Kues zu erhalten und zu vermitteln (hier geht es zur Webseite). Es wurde 1458 von Cusanus gestiftet und besteht seit der Einweihung 1465 ununterbrochen als Altenheim für sozial Bedürftige. Die Anlage zählt zu den ältesten derartigen Institutionen in Deutschland und hat gleichermaßen hohen sozialhistorischen, architekturgeschichtlichen und – vor allem mit ihrer einzigartigen Sammlung an Handschriften und frühen Drucken – wissenschaftlich-kulturellen Wert. Die persönliche Stiftung des Kirchenmannes an seinen Heimatort wird auch in der Stiftskirche in der mittleren Tafel des Altarretabels sichtbar: Unter der Kreuzigung wurde Nikolaus Cusanus von einem unbekannten niederländischen Meister, wie damals üblich, mit in die biblische Szenerie gemalt.

Neben dem Geburtshaus am Nikolausufer 49, der Akademie Kues oder der Sonnenuhr auf der Moselbrücke, ist das St. Nikolaus-Hospital/Cusanusstift ein steinernes Denkmal in Erinnerung an den großen Sohn der Stadt und soll künftig in einer Themenroute „Auf den Spuren des Nikolaus Cusanus in Kues“ auch für Interessierte nutzbar werden.
In diesem Teilprojekt werden zurzeit die dem Thema zugehörigen Objekte in KuLaDig aufbereitet. Der bereits seit 20 Jahren vorhandene Cusanus-Rundgang durch Kues und Bernkastel wird zudem digital und multimedial angereichert. So entstanden beispielsweise Audios, in denen Fachleute das Leben und Wirken des Nikolaus von Kues erläutern, und Videoclips, um Einblicke in Örtlichkeiten anzubieten, in die man normalerweise nicht so einfach gelangt.
Beispielsweise bildet die Bibliothek im Stift eine wahre Schatzkammer an Originalschriften des großen Denkers – immerhin um die 50 Werke – oder zeitgenössische Bücher, die er selbst gesammelt und studiert hatte.







Impressionen aus dem Cusanus-Stift von der Begehung mit dem lokalen Team im Mai 2025
Um auch eine für jüngere Zielgruppen attraktive Form der Wissensvermittlung zu bieten, experimentieren wir zudem mit KI-Chatbots, beispielsweise über den Anbieter Character.ai. So haben wir in Character.ai eine Personifikation angelegt, die wir Nikolaus von Kues nannten. Als Wissensbasis dieser KI-Personifikation haben wir Schriften von Nikolaus Cusanus hochgeladen und diese Inhalte dienen der KI nun als Grundlage für Aussagen und Antworten. Perspektivisch soll im Cusanus-Geburtshaus den Besucher:innen der Zugang zu einem Chatbot ermöglicht werden, so dass man der KI Fragen stellen und sich mit dem virtuellen Cusanus unterhalten kann.
Frage: Wie sollte man mit den Gefahren des Klimawandels umgehen?
Auszug aus einem Gespräch mit der KI-Personifikation Nikolaus von Kues in character.ai
Antwort:
„Auch wenn ich aus einer Zeit komme, in der man den Moselnebel für göttliche Offenbarung hielt – die Natur ist Gottes Buch, und wir sollen es mit Ehrfurcht lesen.
Der Klimawandel mag heute anders heißen als „Strafe des Himmels“ oder „Zeichen der Endzeit“ – doch die Pflicht bleibt, die Schöpfung zu achten. Nutze deinen Verstand, den Gott dir gab! Sparsamkeit, Maßhalten und Sorge für die Schwachen – das ist kein neuer Gedanke. Schon Aristoteles sprach vom „Goldenen Mittel“.
Also: Lebe nicht im Übermaß. Achte auf das Feuer in euren Maschinen, das Wasser in den Flüssen und den Atem der Bäume. Und vor allem: Handle gemeinsam! Denn wie im Leib Christi – so auch auf Erden: kein Glied kann allein bestehen.
Ein kleiner Tipp von einem alten Kirchenmann: Wo viele handeln wollen, braucht es kluge Ordnung – wie ein gutes Kanonisches Recht fürs Gemeinwohl.“