Von Wein und Wandel: Nierstein war Gastgeber des diesjährigen Netzwerktreffens

In der malerischen Kulisse des Weinguts Raddeck in Nierstein mit einem herrlichen Blick auf den Rhein fand am vergangenen Dienstag das 5. Netzwerktreffen von KuLaDig-RLP statt. Rund 120 Teilnehmende waren dem Aufruf gefolgt, Neues über das Projekt und viele andere Themen zu erfahren und sich untereinander intensiv auszutauschen. Nierstein selbst war im Jahr 2022 KuLaDig-RLP-Modellkommune gewesen und konnte in dieser Zeit das eigene Kulturangebot, das zu dieser Zeit bereits in drei KulTOUREN sichtbar gemacht wurde, um den Themenweg Leben am Rhein (siehe auch unseren Beitrag zur Thementour des Monats) erweitern.

Christine Brehm (KuLaDig-Kompetenzzentrum SGD Süd) moderierte die Veranstaltung, Teilnehmende des Netzwerktreffens

Organisatorin Christine Brehm vom KuLaDig-Kompetenzzentrum an der SGD Süd hatte dem Ort angemessen dieses Mal einen Schwerpunkt auf die Geschichte und Zukunft des Weinbaus und der Weinkultur gelegt, mit vielfältigen Kurzvorträgen, von Ausgrabungen zum römischen Weinbau über die Verbindung von Weinbau und Tourismus und die daraus resultierenden Chancen bis zu den aktuellen Herausforderungen des Klimawandels und möglichen Lösungsansätzen. Auch die Aussteller auf dem diesjährigen Markt der Möglichkeiten ließen sich diesem thematischen Schwerpunkt zuordnen.

Prof. Dr. Michael Matheus vom Institut für Geschichtliche Landeskunde und Otto Schätzel, ehemaliger Beigeordneter Stadt Nierstein

Wie immer wurden aber auch wieder Modellkommunen und weitere engagierte Teams für ihre Projektarbeit ausgezeichnet, in diesem Jahr zum ersten Mal von Staatssekretärin Vanessa Fischer vom Ministerium für Kommunen, Bauen, Wohnen und Kultur (MKBWK), die in ihrem Grußwort die Bedeutung des Projekts für das Land und das Ehrenamt unterstrich. Auch SGD Süd-Präsident Prof. Dr. Hannes Kopf lobte das Engagement der KuLaDig-Akteure in Rheinland-Pfalz und betonte die Wichtigkeit der Plattform für die Vermittlung des kulturellen Erbes im Bundesland.

Niersteins Bürgermeister Jochen Schmitt eröffnete die Veranstaltung, Staatssekretärin Vanessa Fischer (MKBWK) und SGD Süd-Präsident Hannes Kopf danken den an KuLaDig-Projekten beteiligten Personen

Projektkoordinator Florian Weber stellte die kommunalen Teams des Projektjahrs 2025 sowie deren Themen und Ergebnisse vor, die dieses Jahr einen biografischen Schwerpunkt aufwiesen: In Alzey lädt in Kürze der neue Themenweg „Alzey fidel – ein Stadtrundgang in 14 Tönen“ zum Besuch von Orten der eigenen Musikgeschichte, in Bernkastel-Kues wurden Schauplätze aus dem ersten Lebensjahren des Nikolaus Cusanus erfasst, in Hamm (Sieg) erinnert ein Themenrundweg an die Opfer der Shoa, in Koblenz-Horchheim kann man sich entlang der Spuren der Familie Mendelssohn(-Bartholdy) wandeln, in Neustadt an der Weinstraße kann man das Zwiegespräch mit Robert Schuman, dem Vordenker der Europäischen Union, suchen und Zeiskam bietet ein ganzes Geflecht an historischen Persönlichkeiten, die Teil an der (Welt-)Geschichte nahmen. Christine Brehm stellte die KuLaDig-Initiative Strimmiger Berg vor, die kontinuierlich die Geschichte Ihrer Region von den Kelten und Römern bis hin zu einer Möbelfabrik oder einer Kaisereiche, aufarbeitet sowie die mitten im Pfälzerwald gelegene Ortsgemeinde Esthal, deren Team sukzessive alle Objekte in ihrem Ort digital abbildet, ob einzigartige Stecksteine, Triftanlagen, Brunnen oder besondere Traditionen wie das „Oischerre“.

Auszeichnung der mit KuLaDig arbeitenden Teams aus Alzey, Bernkastel-Kues, Hamm (Sieg), Koblenz-Horchheim, Neustadt an der Weinstraße, Zeiskam, Strimmiger Berg und Esthal (von links nach rechts)

Projektleiter Prof. Dr. Michael Klemm regte mit vielen Best-Practice-Beispielen aus dem Landesprojekt an, Kulturlandschaftsobjekte thematisch zu verknüpfen und auf diese Weise digital angereicherte Themenrouten vor Ort zu gestalten. Auf diese Weise werden den Besucher:innen ortsübergreifende Erlebnisse geboten, die sich – gerade auch mit Blick auf die sich rasant entwickelnden Möglichkeiten im Bereich KI und die daraus resultierenden Veränderungen der Wissensaneignung – als eine relativ autonome Art der Sichtbarmachung erweist. Prof. Klemm stellte ebenfalls den demnächst startenden KuLaDig-RLP-Campus mit seinen Vermittlungsformaten vor, der sich an alle Interessierten richtet und in Form von Online-Veranstaltungen stattfinden wird (nähere Infos dazu in Kürze auf unserer Webseite). Prof. Dr. Hendrik Speck von der TH Kaiserslautern gab zum Abschluss erste Einblicke in die künftige rheinland-pfälzische App zur Vermittlung des heimischen kulturellen Erbes.

Impulsvorträge boten Einblicke in Themenrouten (Michael Klemm, KuLaDig-RLP), in das Projekt Vitiforst (Beate Fader, DLR Oppenheim), klimabedingte Veränderung des Oberen Mittelrheintals und im Weinbau (Jörn Schultheiß und Manfred Stoll, Hochschule Geisenheim University), Chancen und Herausforderungen für den Tourismus (Christian Halbig, Rheinhessen Touristik GmbH), und die neue Kulturapp von Rheinland-Pfalz (Hendrik Speck, Hochschule Kaiserslautern)

Zwischendurch gab es viele Möglichkeiten zum ungezwungenen Austausch unter den Teilnehmenden bei Speis und Trank in schönster Landschaft. Das rundum gelungene Netzwerktreffen 2026 endete mit einer optionalen Führung durch die Weinbauflächen des Weingutes Raddeck bei bestem Wetter.

Impressionen der Veranstaltung, des Markts der Möglichkeiten und der malerischen Rheinschleife bei Nierstein und das Theaterstück „Die Vögel“ des Schauspielensembles T.i.P.

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