Viele Menschen in Rheinland-Pfalz leisten einen wertvollen Beitrag bei der Digitalisierung und digitalen Wissensvermittlung von kulturellem Erbe und Kulturlandschaftsobjekten. Diese Vielfalt an Engagement, Personen und Tätigkeitsfeldern möchten wir in dieser Reihe sichtbar machen und wertschätzen.
In diesem Monat stellt sich mit Ute Engelen vom Institut für Geschichtliche Landeskunde eine unserer Kooperationspartnerinnen vor, die in keinem konkreten KuLaDig-RLP-Teilprojekt tätig ist/war, sondern die mit dem dort angesiedelten Portal regionalgeschichte.net mit uns inhaltlich zusammenarbeitet, vor allem im Kontext unseres Teilprojekts zur Bundesgartenschau 2029.
Name: Dr. Ute Engelen
Funktion: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichtliche Landeskunde Rheinland-Pfalz e.V. (IGL), u.a. zuständig für das rheinland-pfälzische Regionalportal www.regionalgeschichte.net und die Zusammenarbeit mit anderen Portalen wie KuLaDig Rheinland-Pfalz.
Persönlicher Hintergrund und beruflicher Werdegang: Ich bin in Viersen-Dülken am Niederrhein geboren. Von 2002 bis 2007 studierte ich im deutsch-französischen Studiengang Geschichte, Rechtswissenschaft und Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten Bielefeld und Paris 7. 2007-2011 absolvierte ich eine Cotutelle de thèse an der Universität Bielefeld und der Ecole des hautes études en sciences sociales.
Seit 2012 bin ich wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichtliche Landeskunde. Daneben engagiere ich mich ehrenamtlich im Stadthistorischen Museum Mainz. Ab 2015 war ich stellvertretende Vorsitzende, seit 2023 wirke ich als Vorsitzende des Fördervereins Stadthistorisches Museum Mainz, der das Museum trägt.

Was bedeutet Ihnen kulturelles Erbe? Warum ist es für Sie so wichtig, sich dafür zu engagieren?
Nur wer seine Vergangenheit kennt, kann fundierte Entscheidungen für die Zukunft treffen. Im Kontakt mit Kulturellem Erbe können Menschen in die Geschichte eintauchen und diese anschaulich erleben. Das können Gebäude sein, Objekte oder alte Schriftstücke. Ich bin eher ein „Textmensch“, d.h. ich werte schriftliche Unterlagen aus und formuliere die Erkenntnisse allgemeinverständlich für die Öffentlichkeit.


Was machen Sie konkret zur Bewahrung oder Präsentation des kulturellen Erbes?
Unser Motto am Institut für Geschichtliche Landeskunde Rheinland-Pfalz ist „Forschen – Vermitteln – Mitmachen2. Dass wir nicht im „Elfenbeinturm“, sondern für die Menschen forschen, ist mir wichtig. Bei meiner Arbeit erforsche ich die Wirtschafts- und Sozialgeschichte im rheinland-pfälzischen Raum des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Ergebnisse präsentieren wir in Büchern, gedruckten oder digitalen Aufsätzen, aber auch in öffentlichen Vorträgen und Ausstellungen. Ein Beispiel hierfür ist meine intensive Beschäftigung mit der französischen Besatzungszeit nach dem Ersten Weltkrieg. Neben wissenschaftlichen Publikationen war ich an der Konzeption und Realisierung der Wanderausstellung „Der gescheiterte Friede. Die Besatzungszeit 1918–1930 im heutigen Rheinland-Pfalz“ beteiligt, die seit 2021 an zahlreichen Schulen und öffentlichen Orten in Deutschland gezeigt wurde.
Neben eigenen inhaltlichen Projekten betreue ich unser Portal „regionalgeschichte.net,“ das 2027 25 Jahre alt wird. Das Engagement für „regionalgeschichte.net“ spiegelt auch unser Motto wider. Ziel der Seite war und ist es, die Geschichte von Orten, Kulturdenkmälern und Menschen im heutigen Rheinland-Pfalz darzustellen und leicht zugänglich zu machen. Hierbei arbeiten wir mit zahlreichen geschichtlichen Ortsvereinen und historisch Interessierten zusammen, denen wir eine Möglichkeit zur Veröffentlichung bieten – entweder auf unserer eigenen Seite, oder auf einer eigenen Seite mit gesonderter URL. In der Frühzeit des Internets war es für Vereine aufwendig und kostspielig, eine eigene Internetseite zu betreiben. Aber auch heute nutzen zahlreiche Vereine unser Angebot. Auch für die Hauptseite erhalten wir immer wieder Texte zur Veröffentlichung. Auf „regionalgeschichte.net“ finden sich viele spannende Beiträge zu unseren Orten, Regionen und dem ganzen Bundesland. Dadurch verschaffen wir auch Forschungen zu kleinen Orten Sichtbarkeit und bieten eine Plattform für viele verschiedene Akteure. Natürlich sind die Texte bebildert und wir verlinken auf Partner vor Ort. Bei Kuladig RLP beispielsweise gibt es viele spannende Kulturdenkmäler mit modernen medialen Darstellungen.

Welche Erfahrungen haben Sie während Ihrer Projektarbeit gemacht?
Nach der Ausstellung des IGL zur Besatzungszeit in Nierstein wurde ich über die deutsch-französische Städtepartnerschaft Oppenheim-Givry angefragt, ob die Ausstellung nicht übersetzt werden könnte. Mitglieder des französischen Kulturvereins Animation en Côte chalonnaise haben die Übersetzung dann nach Absprache mit mir vorgenommen. Sie haben Mittel für den Druck der Rollups eingeworben und so konnte die französischsprachige Ausstellung in unserem Partnergebiet Burgund schon an mehreren Orten gezeigt werden. Dieses gemeinschaftliche deutsch-französische Engagement hat mich begeistert. Die Ausstellung 2024 in Givry auf Französisch vorzustellen, war für mich ein besonderes Erlebnis. Auch in Montchanin, wo ich 2025 einen Vortrag zum Thema halten durfte, stieß die Ausstellung auf großes Interesse. Anfang 2026 wurde die Ausstellung dann auch in Oppenheim im Rahmen der Deutsch-französischen Tage präsentiert.
Für Rregionalgeschichte.net erhalten wir immer wieder hervorragende Texte. Es freut mich, wenn wir detailliert recherchierte Forschungen bei uns veröffentlichen können. Zum Beispiel erscheint in Kürze der Beitrag von Martin Strohmeyer zur Geschichte von St. Goarshausen: „Zwischen Anpassung und Widerstand: Das Schicksal des Stadtbürgermeisters a.D. Karl Moritz und seiner Ehefrau Erna in der NS-Zeit“.

Was wünschen Sie sich für die nächsten Jahre?
Weiterhin spannende Forschungsprojekte und positives Feedback von Menschen, die unsere Informationsangebote nutzen. Es freut mich immer, wenn ich höre, dass „regionalgeschichte.net“ für historisch Interessierte bei Recherchen nützlich war. Ich hoffe auch, dass wir „regionalgeschichte.net“ um die Orte, die bislang noch fehlen, erweitern können, vor allem in Kooperation mit anderen historisch arbeitenden Einrichtungen wie dem Landesprojekt KuLaDig RLP.