Kulturelles Erbe hat viele Gesichter – Folge 12: Edgar Manz

Name: Edgar Manz

Funktion: Koordinator des KuLaDig-Teams Berglicht, Pilot-Kommune 2022 im Landesprojekt KuLaDig-RLP.

Persönlicher Hintergrund: Ich bin in Talling/Hunsrück geboren, in diesem 200-Seelen-Dorf aufgewachsen und habe zunächst die dortige „Volksschule“ besucht. Nach dem Abitur am Max-Planck-Gymnasium Trier (MPG) habe ich Geographie, Sport und Erziehungswissenschaften/Lehramt für das Gymnasium an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz studiert. Meine wissenschaftliche Prüfungsarbeit im Geographischen Institut ermöglichte mir die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema „Geomorphologische Untersuchungen im Gebiet des Erbeskopf (West-Hunsrück – Rheinisches Schiefergebirge)“. Nach meinem Referendariat in Trier war ich in den 1980er Jahren zunächst in der Verwaltung der Verbandsgemeinde Thalfang tätig. Von 1985 bis 1990 wirkte ich als Geschäftsführer des Eifelvereins in Düren und wechselte Ende 1990 in den gymnasialen Schuldienst nach Rheinland-Pfalz. Bis zu meiner Verabschiedung im Sommer 2021 durfte ich die Entwicklungen und Profilbildungen am mir seit Schülertagen bestens bekannten MPG in Trier mitgestalten.

„An Tagen wie diesen …in den 1960er Jahren: Heimat in Talling“ – Edgar bei der „Feldarbeit“; Edgar spielt Klicker (Fotos: Erich Manz)

Was bedeutet Ihnen kulturelles Erbe? Warum ist es für Sie so wichtig, sich dafür zu engagieren?

An dieser Stelle möchte ich zunächst etwas vorausschicken: Die „Pfade meiner Kindheit“ in einem kleinen Hunsrückdorf waren voller positiver Erlebnisse und für mich prägend. Das Leben in und mit der Natur im Dorf und seiner Umgebung, die manchmal herausfordernden Hilfsdienst im landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern und auch die gebotenen Möglichkeiten in der Gemeinschaft der Dorfjugend bleiben unvergessen. Wir waren im Dorf nicht reich, hatten aber nicht unter Hunger zu leiden und konnten unbekümmert aufwachsen. Welch eine wunderschöne Zeit. Da mein Vater mit einer Balgenkamera nicht nur von meiner Kindheit viele Bilder „knipste“, ist die Erinnerung an diese Jahre, sind die Bilder unseres damaligen Dorfes sehr wachgeblieben. Und: Alte Schwarz-Weiß-Bilder faszinieren mich bis heute. Seit Mitte der1970er Jahren habe ich dann selbst fotografiert, alte Bilder reproduziert, Dokumente zur Heimatgeschichte gesammelt und archiviert. Und nach meiner aktiven Zeit als Lehrer habe ich im Vorfeld der Feierlichkeiten „800 Jahre Berglicht“ im Jahr 2028 mit der Aufarbeitung der Unterlagen für die Neuauflage der Dorfchronik begonnen.

Diese fundamentale Beziehung zum Dorf und seinen Bewohnern (zunächst in Talling, dann ebenso in Berglicht), das Zusammenspiel in den Vereinen und mit den Nachbargemeinden ist Heimat. Heimat, in der man aufgewachsen ist und gerne lebt und sich „daheim“ fühlt, mit zahlreichen, ganz unterschiedlichen Orten des kulturellen Erbes und einer reichen erlebniswerten Naturlandschaft. Was will man(z) mehr.

Berglicht in Berlin – „Gänsehaut pur“ für mich: Das Original der Kartographischen Aufnahme rheinischer Gebiete – Blatt Thalfang (1803 – 1813 Tranchot und 1816 – 1820 Müffling) im Kartensaal Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz in meinen Händen; Geschichte von Berglicht „begreifbar“ auf einer Karte, jeder Strich, jede Farbe „haucht“ Historie vor über 200 Jahren aus (Foto: Anna-Maria Manz)

Was machen Sie konkret zur Bewahrung oder Präsentation des kulturellen Erbes?

Die kurz erwähnte Vorbereitung einer aktualisierten Dorfchronik von Berglicht ist ein Mosaiksteinchen meiner Bemühungen um Dorf und Landschaft. Seit 1994 bin ich Mitglied im Ortsgemeinderat. Die dadurch gebotene und geforderte Möglichkeit zur Mitgestaltung und Entwicklung des Dorfes (i. w. S.) war und ist mir eine Herzensangelegenheit. Meine ganzheitliche Sicht als Geograph, d. h. Natur und Kultur im Zusammenspiel sehen und verstehen zu wollen, war für die Ausübung dieses Ehrenamtes immer hilfreich. Dieser Blick auf das „Gesicht der Heimat“ mit Spurensuchen nach Zeugen der Natur- und Kulturgeschichte, nach Zeugen der Vergangenheit in der uns umgebenden Landschaft mit dem Ziel, erhaltenswerte Objekte und Strukturen im Rahmen einer behutsamen nachhaltigen Dorf- und Landschaftsentwicklung nach Möglichkeit zu bewahren oder zu modifizieren, wurde im Ortsgemeinderat immer wieder gerne aufgegriffen. Und dieser Ansatz der Spurensuche ist deckungsgleich mit der KuLaDig-Idee. Die durch KuLaDig-RLP gebotene Sichtbarmachung von „gewachsenen Strukturen im Dorf Berglicht und seiner umgebenden Naturlandschaft“ war ein Volltreffer für die „Mit-Mach-Motivation“ in unserem Gemeinderat und unserem örtlichen KuLaDig-Team. Und rückblickend erlaube ich mir die Feststellung: Es hat sich sehr gelohnt. Eine Nicht-Teilnahme an der KuLaDig-RLP-Ausschreibung 2022 mit unserem Ansatz „Alte Bilder und Karten erzählen Geschichte(n)“ wäre ein Fehler, eine unverzeihliche Unterlassung gewesen. Konkret sind viele „Produkte“ in der Pilot-Phase entstanden bzw. werden noch weiterbearbeitet:

Besonders ertragreich waren die „Zeitzeugen-Interviews“, die v. a. die jüngeren Team-Mitglieder mit älteren Mitbürger: innen geführt haben. Das festgehaltene Wissen ging teilwiese über die KuKaDig-Objekte-Erforschung hinaus. Dadurch konnten auch die Lücken der Dorfgeschichte über die NS-Zeit, die Wirren des Zweiten Weltkriegs und die frühen Nachkriegsjahre geschlossen und für die Zukunft erhalten werden.

Beim Videodreh Krackesmühle: Martin Petry, der „Krackesmiller“(rechts) im Gespräch mit Edgar Manz (linkes Bild: Eric Manz); sowie beim Dreh an der historischen Brücke nahe der Krackesmühle (rechtes Bild: Eric Manz)

Wie ging es weiter nach dem Projektende?

Neben der digitalen Präsentation unserer Beiträge wurden auch folgende Projekte nach der Pilotphase gerne angenommen:

  • Bilderausstellungen bei Ortsfesten.
  • Digitale Bilderbögen „Berglicht hat Geschichte“ bei Veranstaltungen im Dorfgemeinschaftshaus.
  • Bisher zwei Postkarten-Serien vor unserem Jubiläumsjahr 2028: „2025: 3 vor 800“ und „2026: 2 vor 800“; die Serie wird fortgesetzt.

Einspielung unserer Ergebnisse über die Wallfahrt, die Wallfahrtskirche und das Pfarrhaus in die Überlegungen „Sanierung des Kirchenschiffes“. Die Sanierung ist im Gange und wird den Erhalt unserer Wallfahrtskirche als eine „Mutterkirche“ im pastoralen Raum Hochwald sicherstellen.

Postkarte „altes Haus Mindisch“ um 1910 (Zeichnung Edgar Manz)

Die Umsetzung folgender Vorhaben wird das „Natur-Kultur-Erbe“ unserer Heimat ebenfalls immer wieder auf unterschiedlichen Ebenen verschiedensten Nutzergruppen näherbringen:

  • Verwertung der KuLaDig-Recherchen bei der Dorfmoderation/Aufstellung des Dorferneuerungskonzeptes (Berglicht wurde 2024 von Innenminister Ebling als Investitionsmaßnahmenschwerpunkt RLP anerkannt).
  • Die Planungen für das Jubiläumsjahr 2028 „800 Jahre Berglicht – früher und heute“ greifen die KuLaDig-Beiträge auf. Die begonnene Planung der Angebote hat viele junge Berlichter:innen zur Mitarbeit im 800er-Team motiviert.
  • Umnutzung von ausgedienten Windenergieanlagen zu einem Aussichtsturm mit Geomorphoskop (Einführung in die Geologie und Landschaftsgeschichte des W-Hunsrücks) und Amphitheater als Bildungsstätte und außerschulischer Lernort. Darin eingebunden im Turm ein Aussichts-Fenster auf das Dorf und seine Geschichte („KuLaDig-Bullauge“; QR-Codierung). Das reale Landschaftserlebnis mit den „verschiedenen Gesichtern der Erdgeschichte“ wird auf der Traumschleife Wind-Wasser-Wacker ermöglicht.
  • Berglicht-App in Zusammenarbeit mit ARGO: Geschichte des Dorfes virtuell erleben. Die KuLaDig-Objekte werden über das Handy/digitale Endgeräte vor Ort verfügbar gemacht und in 3-D-Animationen zu neuem Leben erweckt.
  • Ausmal-Bögen „Berglicht – alte Häuser malen“ und einfaches Papier-Bastelmodell „Trierer Einhaus“ für die KITA Berglicht (angedacht)
Ortsbegehung mit Frau Dr. Cordie und Frau van der Heyde/ARGO: Ist eine Berglicht-ARGO-App umsetzbar? Antwort: JA! Die Vergabe zur Umsetzung der App im Jahr 2026 ist erfolgt (Foto: Christian Manz)

Welche Erfahrungen haben Sie während Ihrer Projektarbeit gemacht?

Die im KuLaDig-RLP-Konzept geforderte Team-Bildung für die kommunale Ebene ist sinnhaft und war lohnend. Die Projekt-Arbeit vor Ort lebt zwar maßgeblich vom Engagement Einzelner, ein wirklich großes Ergebnis wird aber erst durch Team-Arbeit im Dorf erreicht. Die initiale Unterstützung durch das Studierenden-Team der Uni Koblenz war von besonderer Bedeutung auch hinsichtlich der generationenübergreifenden Zielsetzung unserer Projektidee. Und letztendlich liefert die Dorfbevölkerung bis heute immer wieder weitere neue Puzzleteile für die Fortschreibung der Dorfgeschichte(n), ganz im Sinne des dynamischen Ansatzes von KuLaDig-RLP.

Was wünschen Sie sich für die nächsten Jahre?

Ich wünsche mir, dass wir nach der Sichtbarmachung unseres kulturellen Erbes an den realen Stätten im Dorf zu einer Ausweitung der Dokumentation in den benachbarten Dörfern kommen können. Diesen Ansatz möchte ich – gerne auch mit Unterstützung der jüngeren Generationen – nach unserem Jubiläumsjahr 2028 aufgreifen. Dann sollten auch die derzeit noch laufenden Projekte abgeschlossen sein. Die Tourist-Informationen werden die Angebote dankend annehmen und multiplizieren

Die KuLaDig-Landkarte im West-Hunsrück sollte dadurch mittelfristig dichter mit Objektbeiträgen bestückt werden können. Die jährlichen KuLaDig-Netzwerktreffen werden für neue KuLaDig-Akteure von besonderer Bedeutung sein.

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