„Die große Erzählerin – wenn Landschaft Geschichte(n) erzählt“ lautet das Motto unseres aktuellen Projektjahres mit den Modellkommunen. An zahlreichen Orten entlang der Mosel, aber auch in Lambrecht in der Pfalz gehen wir momentan Themen nach wie etwa der historischen und aktuellen Bedeutung von Trockenmauern und Streuobstwiesen, der Transformation von Weinlagen in Artenschutz-Biotope, der Veränderung von Landschaften durch Flurbereinigung und Verkehrswege und manches mehr.
Üblicherweise lautet unser Motto, kulturhistorische Informationen in unterschiedlichsten Formaten „auf die Straße zu bringen“, das heißt, diese vor Ort für Einheimische wie Auswärtige nutzbar und erlebbar zu machen. Hier geht es aber eher um „in die Landschaft bringen“, etwa im Rahmen von Wanderungen durch Wälder, Felder, Weinberge, Flusslandschaften oder frühere Abbaugebiete. Die Erfassung von bedeutsamen historischen Kulturlandschaften ist ja quasi der Ausgangspunkt und das Kernthema der Plattform KuLaDig.

In KuLaDig erfasste historische Kulturlandschaftsregionen in Rheinland-Pfalz: https://www.kuladig.de/Objektansicht/SWB-326190
Im Rahmen unseres Projekts haben wir immer wieder den landschaftlichen Wandel in den Mittelpunkt gestellt und in Form von Themenrouten erlebbar gemacht. Oder aber in der Landschaft vom sozialen Wandel erzählt, wie zum Beispiel in Kolverath in der Vulkaneifel mit dem 2022 eröffneten Erlebnisrundweg auf den Spuren der „Kamillen-Traud“. An sieben Stationen der KuLaTour mitten in der Natur erzählen wir die Lebensgeschichte der bekannten Streunerin Gertrud Feiler, genannt Kamillen-Traud, und vom harten Leben in der Vulkaneifel zwischen 1880 und 1960, medial realisiert mit historischen Fotos, einem Videoclip und Lesungen aus dem Buch von Ute Bales, das den Anstoß zur Themenroute gab.

Impressionen vom Erlebnisrundweg zur Kamillen-Traud und dessen medialer Umsetzung, u.a. auch mit künstlerisch gestalteten Stationen.
In Dattenberg oberhalb von Linz am Rhein erzählen wir auf der „Basaltschleife“, einer Erweiterung des Rheinsteigs, vom Landschaftswandel durch 150 Jahre Basaltabbau und vom harten, identitätsstiftenden Leben der Bergarbeiter, das seit 1975 beendet ist. Wichtig auch für die heutigen Dattenberger, über diese prägende Zeit an Originalschauplätzen mehr zu erfahren.

An 11 Stationen der Basaltschleife kann man erfahren, wie der Basaltabbau über lange Zeit die Landschaft und die Menschen des Ortes geprägt hat.
In Welschneudorf auf den Höhen des Westerwalds kann man seit kurzem auf der Köhlerrunde mitten im Wald erfahren, welche Spuren dieser Beruf dort hinterlassen hat, ergänzt durch 3D-Rekonstruktion unseres Kooperationspartners ARGO.

Eindrücke von der Köhlerrunde mitten im Wald und den augmentierten Wissensstationen von ARGO.
In Bellheim in der Pfalz haben wir rekonstruiert, wie die von den Franzosen im 18. Jahrhundert angelegten Verteidigungsanlagen der sog. „Queichlinien“ bis heute die Landschaft prägen, auch wenn nur noch Kenner wie der Lokalhistoriker Hermann-Josef Schwab dies erläutern können – in Form von Videoclips mit integrierten historischen Karten an Originalschauplätzen.

In Bellheim erzählen wir Militärgeschichte und Landschaftswandel durch Videoclips, Karten, Drohnenaufnahmen.
In der Verbandsgemeinde Weißenthurm geht es um mehrere Formen von Wirtschaftsgeschichte, aber auch die radikale Ausbeutung und Umformung der Natur. Bimsabbau, Kiesgruben und Streuobstwiesen haben zum Wohlstand der Region am Rhein beigetragen, aber auch die Landschaft von grundauf verändert. Nun stehen die Zeichen seit einigen Jahren auf Renaturierung und Umwidmung. Diese Geschichte erzählen wir vor Ort und in einem längeren Videoclip.

Nicht weit davon entfernt, in der Verbandsgemeinde Pellenz in der Osteifel, erzählen wir die Geschichte des Abbaus von Tuff und Trass seit der Römerzeit. Hier haben wir neben Videoclips vor allem eine Storymap als Medium genutzt, um von der Unterhöhlung des Ortes Plaidt zu berichten. Man kann durch den Ort spazieren und erfährt zugleich, was sich darunter befindet oder ereignet hat.

Ausschnitte aus der Storymap zur Unterwelt von Plaidt – eine digitale, multimediale und „sprechende“ Karte.
Im Ruwertal bei Trier erzählen wir die Geschichte der Wasserversorgung seit der Römerzeit. Die Themenroute entlang eines beliebten Rad- und Wanderwegs wird demnächst in Waldrach eröffnet, ist aber schon jetzt via KuLaDig nutzbar. In Videoclips an acht Stationen erzählen Archäologe Dr. Florian Tanz und Michael Kollete von den Stadtwerken Trier an Originalschauplätzen wie den Relikten der römischen Wasserleitung und der Talsperre Riveris von 2000 Jahren Geschichte – medial unterstützt durch historische Aufnahmen, Karten, Animationen, Drohnenflüge und sogar 3D-Rekonstruktionen von ARGO.

Impressionen vom „Themenweg Wasser im Ruwertal“ und dessen medialer Umsetzung.
Kurz vor Fertigstellung ist auch die Kultur- und Naturroute in Bacharach am Mittelrhein, vom malerischen Stadtkern bis zur mitten im Wald gelegenen und manchmal etwas vergessenen Burgruine Stahlberg. Hier setzen wir mit unserem Kooperationspartner Viriditas auf zwei Vermittlungswege der Kulturlandschaft im Wandel: ein „Drohnenhopping“ von der Stadt durch die Täler bis zur Burgruine und eine digitale Karte mit zahlreichen zusätzlichen auswählbaren Informationen. Jeweils eingebettet sind KuLaDig-Objekte, aber auch Videoclips zur Geschichte der Burg und zur Natur am Wegesrand.

Impressionen vom Kultur- und Naturweg in Bacharach – umgesetzt mit Videoclips, Drohnenpanoramen und einer digitalen Karte.
Diese Beispiele zeigen, wie vielfältig der Kulturlandschaftswandel ist, wie variantenreich aber auch die Möglichkeiten des digitalen und multimedialen Storytellings, für das wir in den letzten Jahren immer wieder neue Formate entwickelt haben, oft zusammen mit unseren Partnern.
Und darüber hinaus gibt es ja noch weitere kulturhistorische Thementouren, etwa das Eduventure in Kaub und Weisel auf den Spuren Generalfeldmarschalls Blücher, die 360-Gradt-Tour durch die Burg Lichtenberg bei Kusel, die Tour durch Neustadt an der Weinstraße auf den Spuren Robert Schumans oder der kindgerechte Gang durch Edenkoben, welcher dem Bayern-König Ludwig I folgt – stets spannend erzählte Geschichten mitten in der Stadt oder auch in der Natur, mit denen wir Originalschauplätze, urbane Atmosphäre, Landschaftserlebnis und Geschichte(n) kombinieren. Deshalb ist es nur konsequent, dass wir auch bei unserem BUGA-Teilprojekt auf Themenbeiträge und Themenrouten wie zum Beispiel die Flößerroute in Kamp-Bornhofen setzen werden, die Orte, Menschen und Ereignisse im Weltkulturerbe miteinander verbinden.