Name: Martin Lange
Funktion: Leitung der Abteilung Demokratie- und Ehrenamtsförderung – kommunales Bildungsbüro der Stadt Neustadt an der Weinstraße, Koordinierung des kommunalen Teams Neustadt an der Weinstraße im Teilprojekt des Jahres 2025
Persönliche Hintergründe / beruflicher Werdegang: Martin Lange, geboren am 07.09.1989 in Flensburg und wohnhaft in Landau in der Pfalz, ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Nach dem Abitur 2009 am Christian-Gymnasium Hermannsburg Europaschule absolvierte er 2009/2010 seinen freiwilligen Wehrdienst an der Marineunteroffizierschule in Plön sowie an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg. Von 2010 bis 2014 studierte er Sozialwissenschaften im Bachelor an der Universität Trier. Anschließend schloss er 2017 sein Masterstudium der Soziologie an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg ab, spezialisiert auf Kommunikation und Internet sowie Medien- und Wirtschaftssoziologie. Zwischen 2018 und 2024 war Martin Lange als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent an der Universität Koblenz-Landau (heute RPTU) am Institut für Sozialwissenschaften, Abteilung Politikwissenschaft, im Bereich der politischen Kommunikation tätig. Seine Forschungsschwerpunkte lagen auf der Populismusforschung und den Computational Social Science. Seit 2024 leitet er in der Stadtverwaltung Neustadt an der Weinstraße die Abteilung für Demokratie- und Ehrenamtsförderung, das kommunale Bildungsbüro sowie das Mehrgenerationenhaus / Haus der Familie. Seine fachliche Praxis ergänzte er durch diverse Praktika, unter anderem bei der Marine in Wilhelmshaven sowie beim Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam.
Persönliches Motto: Glück erkennen – dankbar sein.

Was bedeutet Ihnen kulturelles Erbe? Warum ist es für Sie so wichtig, sich dafür zu engagieren?
Ich bin viel in Deutschland und Europa unterwegs gewesen und habe in zehn Bundesländern gelebt oder gearbeitet. Besonders im internationalen Kontext begegnet mir immer wieder eine faszinierende Situation die scheinbar sehr deutsch und gleichzeitig ubiquitär menschlich erscheint. Wenn zwei Personen aus Deutschland in einer Umgebung mit verschiedenen Herkunftsländern zusammentreffen, wird fast immer zuerst der Dialekt des Gegenübers thematisiert und die Frage gestellt wo genau in Deutschland man eigentlich herkommt. Darauf folgen lebhafte Kommentare über typische Worte aus der jeweiligen Region, oft gepaart mit Anmerkungen zu lokalen Gerichten, der lokalen Architektur oder sonstigen Eigenheiten oder Spezialitäten der Region. Diese kulturelle Vielfalt in Deutschland erweist sich hier als wunderbares Verbindungselement, das nicht nur den Gesprächseinstieg erleichtert, sondern auch Identität schafft und gesellschaftlichen Zusammenhalt fördert. Für mich stellt sich dabei immer wieder die Frage was kulturelles Miteinander eigentlich für den Einzelnen bedeutet und wie diese bunte Mischung aus Tradition und Wandel unser gemeinsames Verständnis von Zugehörigkeit prägt. Bist du, was du isst und sprichst?
Was machen Sie konkret zur Bewahrung oder Präsentation des kulturellen Erbes?
Ich habe das große Privileg, dass mein Beruf mich zur (lokalen) Förderung der Demokratiegeschichte beauftragt und wir in Neustadt an der Weinstraße auf relativ kleinem Raum eine sehr hohe Konzentration von demokratiegeschichtlichen Orten und Erzählungen haben. Diese mache ich sichtbar, unterstütze die zugehörigen Netzwerkpartner und wirke direkt in die Bürgerschaft hinein mit einer Vielzahl an Veranstaltungen und Projekten. Es ist im Detail zu viel für eine vollständige Auflistung an dieser Stelle.

Eröffnung des Themenwegs zu Robert Schuman im März 2026 in der Innenstadt von Neustadt an der Weinstraße
Welche Erfahrungen haben Sie während Ihrer Projektarbeit gemacht?
Während der Projektarbeit für den Themenweg zu Robert Schuman in Neustadt an der Weinstraße war es beeindruckend zu erleben, wie viel Neues wir entdeckten und wie unbekannt unser Forschungsschwerpunkt für viele etablierte Fachleute und alteingesessene Bürgerinnen und Bürger war. Besonders bemerkenswert war, wie sehr sich unser Weg im Verlauf des Projekts durch die gewonnenen Erkenntnisse veränderte und wie diese Entdeckungen uns dazu brachten, unsere Pläne neu zu fokussieren. Die Zusammenarbeit mit den zahlreichen beteiligten Menschen erwies sich als äußerst bereichernd und positiv. Ich bin überzeugt, dass ich durch diese eigenständige Projektarbeit in meinen Kopf umfassendes Fachwissen zu einer historischen Person angehäuft habe, das mich ein Leben lang begleiten wird. Wer selbst eine solche Spurensuche unternimmt, vergisst die gewonnenen Fundstücke kaum mehr.



Wie ging es weiter nach dem Projektende?
Das Projektende ist noch nicht eingetreten. Wir haben noch einiges zur Präsentation und Weiterentwicklung unserer Spurensuche zu Robert Schuman zu leisten. Wir sind auf viele Hinweise und Spuren gestoßen, die wir noch nicht zu Ende verfolgen konnten. Es kommen vermehrt Anfragen zu Vorträgen, möglichen Kooperationen, Führungen oder Entdeckungen, die uns aus der Bevölkerung zu Schuman und seiner Zeit in Neustadt an der Weinstraße erreichen. Wir wollen diese Spurensuche im Rahmen der städtischen Demokratiegeschichte vertiefen und in unser Demokratiestadtkonzept weiter einfließen lassen.

Was wünschen Sie sich für die nächsten Jahre?
Visionäre wie Robert Schuman können heute als leuchtende Vorbilder der Demokratiegeschichte wirken und inspirieren. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in der Demokratieförderung solche Persönlichkeiten dringend stärker in den aktuellen Diskurs einbringen sollten. Dabei sollten wir jedoch vermeiden, Personen voreilig zu Helden zu verklären, sondern vielmehr aufzeigen, wo Menschen sich heldenhaft für unsere heutige Demokratie eingesetzt haben. Ihre mutigen und hoffnungsvollen Geschichten bieten einen kraftvollen Gegenpol zu den pessimistischen und demokratiefeindlichen Erzählungen unserer Zeit. Der Tatendrang von Schuman sollte uns gerade heute antreiben, selbst aktiv zu werden und für ein friedliches, vereintes Europa einzutreten.
Menschen und deren Geschichten tragen am besten wichtige Botschaften, die wir für einen ausgewogenen und kritischen Demokratiediskurs heute dringend brauchen. Mein Wunsch ist es, dass möglichst viele Menschen sich mit diesen faszinierenden Persönlichkeiten und wichtigen Kapiteln unserer Stadtgeschichte beschäftigen, sich zum Nachdenken anregen lassen und daraus motiviert werden, sich für den Schutz unserer Demokratie und die friedliche europäische Einigung einzusetzen.
Videoclip mit Martin Lange und weiteren Mitwirkenden bei der Eröffnung des Themenwegs „Auf den Spuren von Robert Schuman in Neustadt an der Weinstraße“ im März 2026