Name: Kristina Sus
Funktion: Studentische Teilnehmerin am Projektseminar „Kulturerbe digital“ / Studentische Hilfskraft im Landesprojekt KuLaDig-RLP
Persönlicher Hintergrund:
Ich studiere Kulturwissenschaft im Master an der Universität Koblenz. Zum Projekt kam ich zunächst als Teilnehmerin in den Teilprojekten Bendorf-Sayn (2021) und Alzey (2025). Seit dem Jahr 2025 bin ich darüber hinaus als studentische Hilfskraft im Projekt tätig.


Was bedeutet dir kulturelles Erbe? Warum ist es für dich so wichtig, sich dafür zu engagieren?
Bei dem Wort „kulturelles Erbe“ denkt man zunächst häufig an Denkmäler oder historische Gebäude der eigenen Heimat. Vielleicht verbindet man diese mit persönlichen Erinnerungen aus der eigenen Kindheit oder mit bestimmten Gefühlen. Und doch umfasst dieser Begriff noch so viel mehr: sei es Musik, Essen, Jugendkultur, Handwerk, Kunst, Legenden oder auch Traditionen und Rituale eines Ortes. All diese Dinge sind Teil des kulturellen Erbes und prägen die Identität eines Menschen.
Sich damit zu beschäftigen, ist aus vielen Perspektiven wichtig. Für mich bedeutet es vor allem, die Geschichte(n) eines Ortes kennenzulernen, sichtbar zu machen und zu reflektieren, um auch daraus zu lernen. Denn das Befassen mit kulturellem Erbe bringt viele wichtige Erkenntnisse, nicht nur mit Blick auf die Vergangenheit, sondern auch auf die Gegenwart und die Zukunft. Es ist wichtig, sich dafür zu engagieren, indem man Objekten und Praktiken Sichtbarkeit schenkt sowie Zeitzeug:innen und beteiligten Menschen eine Stimme gibt, um zeitlich begrenztes Wissen zu bewahren, daraus zu lernen und sich vielleicht sogar inspirieren zu lassen.

Was machst du konkret zur Bewahrung oder Präsentation des kulturellen Erbe?
Als Teilnehmerin im Projekt und studentische Hilfskraft ist es meine Aufgabe, gemeinsam mit den Kommunen daran zu arbeiten, ihr kulturelles Erbe zu bewahren, zu digitalisieren und sichtbar zu machen.
Die Hauptaufgabe dieser Tätigkeit ist dabei die Medienproduktion: Wir produzieren zusammen mit den Menschen vor Ort Videos und Audios, um die Geschichte, Objekte und persönliche Erinnerungen eines Ortes auf kreative und multimodale Weise erlebbar zu machen. Von der Aufnahme bis zur Postproduktion bereiten wir Medienformate vor, die historische Inhalte mit neuen Technologien verbinden und später für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Dabei macht es besonders Spaß, verschiedene neue Medienformate, wie beispielsweise einen Podcast zur Musikgeschichte von Alzey, aufzunehmen. Solche Formate bieten eine gute Möglichkeit, lokale Geschichte lebendig zu präsentieren und auch dafür zu sorgen, sie langfristig zu bewahren. Somit arbeiten wir an kreativen Umsetzungen spannender Themenrouten der jeweiligen Kommunen.
Welche Erfahrungen hast du während der Projektarbeit gemacht?
Die Mitarbeit an diesem Projekt ist eine besondere Erfahrung. Es ist die Möglichkeit, immer wieder etwas Neues dazuzulernen: Sei es im Hinblick auf die Geschichten der Orte, die Begegnung mit Menschen oder das Weiterentwickeln eigener Kompetenzen durch das Ausprobieren neuer Formate. Besonders beeindruckend finde ich es, Menschen kennenzulernen, die sich mit viel Leidenschaft für ihre Kommune und ihre Themen einsetzen. Das ist etwas, das auch einen selbst inspirieren kann.
Gleichzeitig wird einem immer wieder klar, dass ein solches Projekt nur durch das Engagement und die Zusammenarbeit vieler verschiedener Menschen leben kann. Kommunikation und ein gegenseitiger Austausch sind dabei sehr wichtig, denn nur durch gemeinsames Arbeiten auf Augenhöhe schafft man einen Mehrwert für die jeweilige Gemeinschaft. Dabei ist es auch immer wieder spannend zu sehen, wie vielfältig und besonders kulturelles Erbe sein kann: Ob es beispielsweise das industrielle Erbe in Bendorf oder die Musikgeschichte der Stadt Alzey ist, all das ist Teil der kulturellen Identität.

Wie ging es weiter nach dem Projektende? (Ausstellung in Sayn, Nachbearbeitung der Audios in Alzey, Hiwitätigkeit)
Die Arbeit an dem Projekt ist nicht unbedingt mit dem Ende des Projektseminars an der Uni abgeschlossen. Oftmals ergeben sich darüber hinaus weitere Möglichkeiten, beteiligt zu bleiben und neue Kompetenzen zu erwerben. Auch können sich aus der intensiven Arbeit weitere Türen öffnen.
Ein gutes Beispiel ist die gemeinsame Arbeit in Bendorf-Sayn, wo wir als studentisches Team durch unsere produzierten Inhalte – von Texten zu den KuLaDig-Objekten über Videos bis hin zu Audioaufnahmen – die Möglichkeit hatten, diese Ergebnisse in die Sonderausstellung „Bendorfs industrielles Erbe“ miteinzubringen. Es war eine schöne Erfahrung zu sehen, wie unsere Arbeit vor Ort sichtbar gemacht wurde, und an der Ausstellungskonzeption mitzuwirken.
Auch im Teilprojekt Alzey entstanden weitere Möglichkeiten: Neben der Medienproduktion vor Ort arbeite ich an der Postproduktion und Mitgestaltung der Audiotour, dazu gehört auch das Einsprechen eigener Audios. Dadurch konnte ich dieses Mal ganz neue Formate ausprobieren.
Und auch jetzt in meiner Tätigkeit als studentische Hilfskraft, macht es mir weiterhin besonders Spaß, im Bereich der Video- und Postproduktion zu arbeiten, meine praktischen Vorkenntnisse weiterzuentwickeln und dabei immer wieder neue Einblicke in spannende Themen zu bekommen.

Was wünschst du dir für die nächsten Jahre?
Ich hoffe, dass in den nächsten Jahren noch viele weitere Kommunen dazu inspiriert werden, ihre einzigartigen Geschichten und ihr kulturelles Erbe zu teilen. Besonders gespannt bin ich auch, welche neuen Möglichkeiten der Digitalisierung von kulturellem Erbe sich noch entwickeln werden. Ob 3D-Modelle, Virtual Reality oder Augmented Reality, ich sehe die technischen Weiterentwicklungen als spannende Möglichkeit, kulturelles Erbe noch länger zu bewahren und auf völlig neue Weise erlebbar zu machen.