Teilprojekt Montabaur: Fachwerk im Westerwald

Im Jahr 1291 wurden Montabaur durch Rudolf von Habsburg die Stadtrechte verliehen. In Folge dessen durften die Bürger von Montabaur u.a. Wochen- und Jahrmärkte abhalten. Weitere Privilegien kamen mit der Zeit hinzu. So mussten beispielsweise die Kaufleute aus Montabaur zwischen Köln, Wetzlar, Frankfurt und Mainz keine Zölle zahlen. Diese Privilegien trugen dazu bei, dass sich Montabaur im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert bereits zu einem bedeutenden Handelszentrum in der Region, sicherlich aber dem wichtigsten Handelszentrum im Westerwald herausgebildet hatte.

Im Jahr 1534 wütete ein Feuer in der Stadt, dem viele Gebäude im Bereich des heutigen Stadtzentrums zum Opfer fielen. Während des daraufhin einsetzenden Baubooms wurden Gebäude maßgeblich in Fachwerkbauweise errichtet, von denen manche auch heute noch das Bild des historischen Zentrums prägen, wie die Alte Kellerei in der Judengasse oder das Eckgebäude Großer Markt 16/18. Die meisten Fachwerkhäuser jedoch stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die größte Dichte an Fachwerkhäusern findet sich in der Kirchstraße. Hier befindet sich auch das eindrucksvolle Fachwerkensemble aus ursprünglich fünf einzelnen Gebäuden, heute Gaststätte und Hotel „Schlemmer“. In Teilen des Gebäudekomplexes wird das älteste Gasthaus von Montabaur vermutet, das Gasthaus „Zur goldenen Cron“ sowie die Apotheke von Johann Wilhelm Jakobi. Zur Mitte des 18. Jahrhunderts befand sich das Gebäude im Besitz des seiner Zeit reichsten Bürgers der Stadt, Martin Monsieurs. Neben den Hintergründen zu den Menschen, die in und mit diesen Gebäuden lebten und leben, bieten auch die Fassaden mit ihrem Dekor und den Fachwerkfiguren viel Stoff für spannende Geschichten. Was genau ist der „Wilde Mann“ und was hat es mit dem Lebensbaum auf sich?

Das Angesicht des Stadtkerns hat sich in den letzten vierzig bis fünfzig Jahren stark gewandelt. Viele der Fachwerkfassaden lagen unter Betonputz versteckt und wurden erst in den 1970er/1980er Jahren freigelegt. Dass die Gebäude aber heute in neuem Glanz erstrahlen, ist den Bemühungen der 2000er Jahre zu verdanken, in denen viele teilweise stark marode Fachwerkgebäude umfassend restauriert und saniert werden konnten.

Diesem Umstand verdankt es Montabaur, seit kurzem Station der „Deutschen-Fachwerkstraße“ zu sein. Diese verläuft von Limburg an der Lahn über das Gelbachtal nach Montabaur und von dort wieder zurück ins Nachbarland Hessen. Als bislang einzige Stadt in Rheinland-Pfalz ist Montabaur nun auch Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Fachwerkstädte.

Im Teilprojekt Montabaur sollen in diesem Jahr mit fachkundiger Unterstützung des Zimmerers für Restaurierungsarbeiten Thomas Becker und des Stadthistorikers Bernd Schrupp ausgewählte Fachwerkgebäude für KuLaDig erfasst und sowohl in Form eines Booklets, als auch an den Objekten selbst verfügbar gemacht werden. Neben der Historie der Gebäude sollen auch die wesentlichen Merkmale des Westerwälder Fachwerks für Interessierte erläutert werden. In Videoclips werden spezifische Fragen zu Restaurierungs- und Sanierungsmaßnahmen von Thomas Becker lebendig und anschaulich vermittelt.

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