Neues vom „Mittelrhein-Eduventure“ – Blick hinter die Kulissen

Unter Beteiligung des Projektteams von KuLaDig-RLP nimmt das Pilotprojekt „Mittelrhein-Eduventure – The Next Step“ weiter Gestalt an (vgl. unseren früheren Beitrag). Dieses BUGA-2029-Projekt, vom Institut für Wissensmedien der Universität in Koblenz federführend konzipiert, soll Wissensvermittlung und Gamification in einer digitalen Schnitzeljagd miteinander vereinen – und zugleich den didaktischen Nutzen moderner Medien wie u.a. virtueller 360-Grad-Welten, von Drohnenflügen und 3D-Animationen demonstrieren.

Mithilfe von Actionbound, einer App für digitale Schnitzeljagden, werden zurzeit in Kaub am Rhein und der darüber liegenden Ortsgemeinde Weisel zwei separate Spielrouten (Bounds genannt) konzipiert. Diese nehmen die Nutzer:innen mit ins Jahr 1813 und lassen sie Zeug:innen des legendären Rheinübergangs des Generalfeldmarschalls Blücher und seiner Ostschlesischen Armee werden. Blüchers 46.000 Mann zählende Armee überquerte von Weisel kommend über eine selbst erbaute Ponton-Brücke bei Kaub den Rhein, schlug die überraschten französischen Soldaten in die Flucht und läutete so den Niedergang der napoleonischen Herrschaft in Deutschland ein.

Die Nutzer:innen können den Rheinübergang miterleben, in dem sie die beiden fiktiven Personen Johann und Adam Berger aus Kaub und Weisel begleiten. Diese werden in der Schnitzeljagd-Story von den Preußen verpflichtet, beim Rheinübergang zu helfen.

Work in Progress: Die 360-Grad-Darstellung von Blüchers Rheinübergang bei Kaub als einstiges Rotundengemälde wird in die digitale Schnitzeljagd eingebunden.

An der konzeptionellen Arbeit für die beiden Bounds sind neben dem 6-köpfigen Team der Uni auch mehrere sehr engagierte Personen aus Kaub und Weisel beteiligt. Sie alle eint das Interesse an der Ortsgeschichte und speziell auch an den Geschehnissen jener Dezembernächte, als der Rheinübergang vorbereitet und durchgeführt wurde. Um die Ereignisse historisch genau und zugleich anschaulich zu vermitteln, ist das Detailwissen dieser Expert:innen unerlässlich. Als Spielhandlungen entwickelt wurden zwei Stories, die den erzählerischen Rahmen für die Aufgaben bilden, die an den einzelnen Stationen des Bounds gestellt und von den Spieler:innen gelöst werden müssen, bevor diese zum nächsten Standort navigieren können.

Hilfreiche Quellen bilden u.a. auch Fotografien aus der Reenactment-Szene, die das historische Geschehen so realistisch wie möglich nachzuerleben versucht. Hinzu kommen historische Textquellen und Zeugenberichte, Abbildungen und Exponate aus dem Kauber Blücher-Museum und vieles mehr.

Wie weit konnten geübte Soldaten mit ihren Musketen oder Jägerbüchsen zielgenau schießen? Wie ließen sich schwere Geschütze auf rutschigen Pfaden im kalten Winter den steilen Berg herunter transportieren? Wie wurden diese geladen und abgefeuert? Aus welchem Material wurden die Pontons gebaut, die als Schwimmmaterial für die in wenigen Tagen erbaute Brücke über den Rhein dienten, und wo kam dieses her? Wie leistet man erste Hilfe bei jemandem, der ins eiskalte Wasser gefallen ist? Solche Fragen müssen gelöst werden, um das weitere Geschehen mitzuerleben.

Um diese Fragen zu klären, fanden bereits mehrere reale oder virtuelle Besprechungen mit den Partner:innen aus Weisel und Kaub statt.

Der Fachmann David Schiller erläutert dem Projektteam bei einer Ortsbegehung die Lage der französischen Stellungen auf der Kaub gegenüberliegenden Rheinseite im Jahre 1813/14

Den Nutzer:innen stehen dabei in einer virtuellen 360-Grad-Bibliothek Materialien zur Verfügung, die zum Lösen manch kniffliger Frage benötigt werden. Auch das Blüchermuseum Kaub, mit seiner eindrucksvollen Sammlung an Waffen und Objekten aus der Zeit, kann für die Lösung der Aufgaben genutzt und im Nachgang besucht werden, um mehr über das Ereignis zu erfahren. Neben 360-Grad- und Drohnenaufnahmen werden den Nutzer:innen auch Animationen an die Hand gegeben. So kann beispielsweise mithilfe der animierten Pontonbrücke über den Rhein nachvollzogen werden, was für eine beachtliche Leistung die Preußen in so kurzer Zeit bewerkstelligten.

Einblick in eine der vielen Videokonferenzen des Projektteams: Wie und wo kann man den eigens produzierten Drohnenflug über das Holzbachtal, auch Blüchertal genannt, in die Spielhandlung einbauen?

Dass dabei auch die Bevölkerung von Weisel und Kaub und der anderen Orte unter dem Einfall des 46.000 Mann starken Heeres furchtbar litt, wird ebenfalls an vielen Stationen thematisiert.

Klicken Sie auf den Screenshot und gelangen Sie auf den animierten Ponton

Denn die durch Entbehrung geprägten Soldaten „requirierten“ alles, was ihnen dienlich erschien, um den Marsch im Winter zu überleben. Wie der Heerestross oder ein Ponton aussah und wo die Pontonbrücke über den Rhein verlief, wird ebenfalls in eindrucksvollen 3D-Animationen dargestellt.

Die beiden digitalen Schnitzeljagden sollen in diesem Frühjahr veröffentlicht werden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s