In dieser Rubrik werden in der Regel Einzelobjekte vorgestellt und in ihren jeweiligen Orts- und Projektkontext eingebettet. In diesem Monat möchten wir eine Ausnahme machen und die komplette KuLaTour in Mutterstadt mit ihren 12 Stationen zum Objekt des Monats küren. Diese Tour entstand im Projektjahr 2024 aus dem Wunsch heraus, die von Gästeführerinnen und Gästeführern angebotene Tour zu den Sehenswürdigkeiten Mutterstadts um eine digitale Komponente zu erweitern. Dadurch versprach sich das Mutterstadter Team, bestehend aus Vertretern der Ortsspitze und Mitgliedern des Historischen Vereins der Pfalz e.V. Ortsgruppe Mutterstadt, eine Bereicherung der Gästeführertouren und zudem eine individuelle wie flexible Wissensvermittlung unabhängig von Führungen und Tageszeiten.

So wurde Mutterstadt KuLaDig-RLP-Modellkommune des Jahres 2024 und es entstand ein breites digitales Angebot rund um 15 ausgewählte kulturhistorisch bedeutsame Objekte und Orte, finanziert durch die Anschubfinanzierung des Projekts und Eigenmittel. Neben den KulaDig-Objekten sind die 360-Grad-Drohnenaufnahmen und -touren, beispielsweise durch das historische Rathaus, heute Museum, die protestantische und die katholische Kirche und über den Friedhof hervorzuheben. Sie machen die jeweiligen Örtlichkeiten barrierefrei erlebbar und haben den Vorteil, gezielt Medien an den jeweils passenden Plätzen verorten zu können. Beeindruckend auch die von Studierenden produzierten Zeitzeugenvideos, etwa zur Reichsprogromnacht 1938 (zu finden über den Objektbeitrag zur ehemaligen Synagoge).


Beispiele für die Integration von Medien in die 360-Grad-Ansichten, um eine zeitgemäße und intuitive Wissensvermittlung zu gestalten: Im Überblickspanorama erläutert der Bürgermeister von Mutterstadt die Tour (links), die Inschrift am Grab der Brezelfrau wird in einem Audio vorgelesen (Mitte) und Einbettung von KuLaDig-Objekten und Sprungmarken zu anderen 360-Grad-Touren (s. Beitragsbild).
Die 360-Grad-Drohnenübersicht macht diesen Vorteil besonders deutlich. Sie dient als Einstieg zur Tour und ermöglicht den Überblick über die Ortsgemeinde. Zudem verortet sie sowohl KuLaDig-Objekte als auch Videos und Sprungmarken zu weiteren 360-Grad-Touren. Der bunte Strauß an Medien, neben Videoclips sind das Audios und die Rekonstruktion der einstigen Synagoge, wurde teils von Studierenden gemeinsam mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie Fachleuten produziert, teils von der Ortsgemeinde und dem Verein bereitgestellt. Eindrucksvolle Interviews zum Thema Nationalsozialismus und Reichspogromnacht konnten von den Koblenzer Studierenden für die Nachwelt dokumentiert werden. In einem anderen Video führt der evangelische Pfarrer in den Glockenturm, nebst Anekdoten zu Turm und Glocken. Auf diese Weise wird auch ein barrierefreier Zugang geschaffen und an sich unzugänglicher Ort erfahrbar.


Die Zeitzeugin Irmgard Metzger (geb. 1927) aus Mutterstadt erzählt vom Brand der Synagoge von Mutterstadt während der Reichspogromnacht im Jahre 1938 durch die Nationalsozialisten (links), Rekonstruktion der zerstörten Synagoge (rechts).

Pfarrer Heiko Schipper führt via Videoclip in den meist unzugänglichen Glockenturm und erzählt dabei manche Anekdote.
Im Frühjahr letzten Jahres wurde die Tour mit dem Titel „Über 1250 Jahre Mutterstadt: Von Türmen, Pforten und dem stärksten Mann der Welt“ eröffnet. Im Ort selbst ermöglichen bereits an verschiedenen Objekten QR-Codes den unmittelbaren Zugang zu den digitalen Angeboten, weitere QR-Code-basierte Stationen sollen zeitnah ergänzt werden. Darüber hinaus wurde eine gleichnamige KuLaTour für die mobile Nutzung mit der KuLaDig-App erstellt.


Bürgermeister Thorsten Leva eröffnet die KuLaTour, Michael Ceranski vom Historischen Verein der Pfalz e.V. Ortsgruppe Mutterstadt präsentiert einen Stationen-QR-Code.



Präsentation der KuLaTour auf der Website der Gemeinde Mutterstadt
Das Teilprojekt Mutterstadt und die daraus entstandene KuLaTour machen deutlich, wie wichtig die flexible und unkomplizierte Verbindung von KuLaDig zu anderen Anwendungen, beispielsweise den virtuellen 360-Grad-Räumen, ist, um nutzerfreundliche und agil-intuitive Wissensvermittlungsformate für ganz unterschiedliche Bedarfe und Zielgruppen zu gestalten. Derart anschaulich und leicht auffindbar „auf die Straße gebracht“ sind die im Landesprojekt gestalteten Informationen und Medien von unmittelbarem Nutzen für Einheimische wie Gäste.