Teilprojekt Altenkirchen-Flammersfeld: Sozialgeschichte im Westerwald

Im Jahr 1845 trat Friedrich Wilhelm Raiffeisen sein Amt als Bürgermeister von Weyerbusch im Westerwald an. In dieser Funktion wurde er mit den sozialen Missständen der Zeit konfrontiert. Da er selbst aus einer armen, kinderreichen Familie stammte – der Vater fiel aufgrund einer Erkrankung als Ernährer aus – nahm er großen Anteil an der teilweise prekären Situation eines großen Teils der Bevölkerung. In seinem Ort versuchte Raiffeisen dem Problem mithilfe verschiedener Lösungsansätze Herr zu werden: So entwarf er beispielsweise selbst ein neues Schulgebäude, das unter seiner Aufsicht realisiert wurde, dazu förderte er die örtliche Infrastruktur durch den Straßen- und Eisenbahnbau und engagierte sich in der Forstwirtschaft sowie im Bergbau. Sehr konkret wurde seine Hilfe, als in Folge zweier Vulkanausbrüche in den Jahren 1846 und 1847 Ernteausfälle zu Hungersnöten führten. Raiffeisen wartete nicht auf Anordnungen des behäbigen preußischen Verwaltungsapparates, sondern linderte die drastische Not durch das eigenmächtige Verteilen von Lebensmitteln gegen Schuldscheine. Geschadet hatte es seiner Reputation nicht, denn bereits im Jahr 1848 wurde er Bürgermeister von Flammersfeld und stand in dieser Funktion 33 Ortschaften vor. Zeit seines Lebens engagierte sich Raiffeisen sozial, politisch und wirtschaftlich und wurde zum maßgeblichen „Architekten“ einer heute noch sehr innovativ erscheinenden Idee, des Genossenschaftsgedankens. Dieser Gedanke folgt der einfachen Maxime: Was ein einzelner nicht schafft, bewältigen viele.

Der Genossenschaftsgedanke Raiffeisens hat sich bis heute vom Westerwald aus so weit verbreitet, dass er 2018 anlässlich des 200. Geburtstags zum immateriellen Weltkulturerbe ernannt wurde. „Raiffeisen-BotschafterInnen“ erläutern seitdem Leben und Werk des Sozialreformers an Originalschauplätzen. In den Ortschaften der jungen Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld lassen sich noch heute verschiedene Spuren Raiffeisens, seines Wirkens und seiner Zeit finden. Neben deutlich sichtbaren Verbindungen, wie dem Raiffeisendenkmal in Weyerbusch und den beiden Raiffeisen-Häusern in Weyerbusch und Flammersfeld, lassen sich weitere Gebäude sowie Straßen, Gruben und Forststücke in der Verbandsgemeinde mit ihm in Verbindung bringen. Im Rahmen des Teilprojekts Altenkirchen-Flammersfeld soll anhand ausgewählter Orte und Objekte das bedeutsame Wirken Raiffeisens beleuchtet und am Ort selbst digital und multimedial verfügbar gemacht werden.

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