Objekt des Monats Dezember: Evangelische Kirche in Hottenbach

Die evangelische Kirche im Zentrum der Hunsrückgemeinde Hottenbach besteht aus einem Chorturm aus dem späten 13. Jahrhundert sowie aus einem kreuzförmigen Anbau aus dem frühen 20. Jahrhundert. Die besondere Atmosphäre im Innenraum wird durch die Holzdecke, die wiederverwendete Holz-Empore sowie die Stummorgel hinter dem Altar geschaffen. Im Bereich des alten Chorturmes sind Deckenfresken im Kreuzgradgewölbe erhalten geblieben. Auch befindet sich dort ein Viergötterstein. Dieser wurde an dieser Stelle geborgen und gibt Aufschluss darüber, dass sich ursprünglich an diesem Ort eine römische villa rustica befunden hat.

Historische Fotografie der Hottenbacher Kirche, wie sie bis zu ihrem Umbau im Jahr 1903/04 ausgesehen hatte.

Die Kirche war im August 1800 Schauplatz eines Ereignisses, das zu einem anderen Aspekt der Ortsgeschichte gehört: Der im Hunsrück als „Schinderhannes“ bekannte Räuberhauptmann Johannes Bückler überfiel mit seiner Bande den jüdischen Kaufmann Wolf Wiener in Hottenbach. Die Räuber raubten den Kaufmann aus und misshandelten ihn und seine Familie. Nachdem die Räuberbande geflohen war, bat Wiener den Ortspfarrer und die Dorfadministration, für ihn die Sturmglocke zu läuten. Diese aber weigerten sich mit der Aussage, die Kirchenglocken seien nur für Christen da.

Seit dem 18. Jahrhundert bis zur Zeit des Nationalsozialismus bildete die kleine Ortsgemeinde Hottenbach ein regionales Zentrum des Landjudentums. Im späten 18. Jahrhundert machte die jüdische Gemeinde im Ort fast 20 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Es bildeten sich jüdische Siedlungsbereiche im Ort und im Jahre 1796 wurde eine Synagoge mit dazu gehöriger Mikwe (rituelles Tauchbad) errichtet. Ein jüdischer Friedhof und eine jüdische Schule bildeten weitere Bestandteile der ausgeprägten jüdischen Gemeinde. Auch war Hottenbach von 1804-1822 Sitz des angesehenen und einflussreichen Landesrabbiners Hirz Kann (1771-1836). Sein Rabbinatsbezirk umfasste das gesamte Arrondissement Birkenfeld.

Trotz des hohen Bevölkerungsanteils und der festen Etablierung im Ort war die jüdische Bevölkerung vielfach Diskriminierungen ausgesetzt. Die unter französischer Herrschaft in den 1790er Jahren angestrebten Bemühungen, Juden gleiche Rechte zu gewährleisten, wurden durch die christliche Bürgerschaft nur unwillig mitgetragen und teilweise sogar boykottiert. Wie solche Diskriminierung aussehen konnte, verrät eine Anekdote, die mit unserem Objekt des Monats Dezember zu tun hat:

Im Teilprojekt Hottenbach entstanden in diesem Jahr neben der Kirche weitere Objekte, die von der Geschichte des Landjudentums in Hottenbach und – darüber hinaus – von der reichhaltigen Dorfgeschichte erzählen. Beispielsweise wurden u.a. neben der ehemaligen Synagoge auch der jüdische Friedhof, die beiden Traditionsgasthäuser Faust und Dalheimer und die ehemalige Bürgermeisterei für KuLaDig erfasst. Um das mündliche Wissen der Menschen im Ort zu dokumentieren, wurden verschiedene Videoclips durch die Studierenden und das kommunale Team produziert.

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