Objekt des Monats Dezember: Fachwerkensemble in Montabaur

Unser Landesprojekt leistet auch einen aktiven Beitrag, teilweise präkeres Kulturgut zu dokumentieren, vor allem durch Audio- und Videoaufnahmen von Zeitzeug:innen. In Montabaur – Modellkommune im Jahr 2021 – wurde dies auf andere Weise deutlich. Gleich mehrere der erfassten Fachwerkgebäude im historischen Stadtkern von Montabaur waren in einem äußerst schlechten Zustand. Das vermutlich repräsentativste dieser Gebäude ist das eindrucksvolle Fachwerkensemble am Alois Jäger-Platz, unweit der Kirche „Sankt Peter in Ketten“, unser Objekt des Monats Dezember.

Drei Gebäude sind zu einem Gebäude „zusammengewachsen“. Die unterschiedlichen Fassaden sind deutlich erkennbar

Der Gebäudekomplex, der durch die ineinander verschachtelte Bausubstanz ebenso charakterisiert wird wie durch die schiefen Balken der Holzfachwerkkonstruktion, vereinte einst verschiedene Funktionen. Seinen Ursprung fand dieses Ensemble in der kleinen, eher unauffälligen Kapelle. Diese, erstmals erwähnt im Jahr 1439, ist durch den Spitzbogen in der Fassade erkennbar. Unmittelbar an der südlichen Stadtmauer errichtet, diente sie anfangs als Totenkapelle und war der Heiligen Anna geweiht. Im Volksmund aber wurde sie auch Fuhrmannskapelle genannt, ein Umstand, der als Hinweis auf eine nahegelegene Post- oder Pferdewechselstation angesehen wird.

Der kleine Bau wurde im Jahre 1458 im Osten durch einen Anbau erweitert. Dieser Anbau in Holzfachwerkbauweise (heute das linke Gebäude) überlappte gewissermaßen die alte Kapelle und diente fortan den in der Kirche angestellten Vikaren als Wohnung. Daher bekam dieses Gebäude den Namen Vikarie. Ein weiterer Anbau nach Westen wird ab dem Jahre 1702 als Knabenschule eingerichtet. Im Jahr 1979 wurde der westliche Teil, sprich die Knabenschule, umfassend saniert und renoviert, während der östliche, weitaus ältere Teil in einen schlechten Zustand geriet. Dieser soll aber in Kürze ebenfalls umfassend saniert werden.

Um den jetzigen Zustand auch im Inneren des Gebäudes zu dokumentieren, wurden im Rahmen des Teilprojekts 360-Grad-Aufnahmen gemacht.

In der virtuellen 360-Grad-Tour erhält man Einblicke in das entkernte Gebäude, das bald saniert wird

Diese virtuelle 360-Grad-Tour ist nun am KuLaDig-Objekt verfügbar und gibt Einblicke in ein Gebäude, das sonst als baufälliges Gebäude nicht besichtigt werden darf. Ergänzt wurde der Objektbeitrag um historische Fotos aus dem Stadtarchiv Montabaur und um zwei Audiodateien. Diese Audios wurden im Teilprojekt für alle vereinbarten Objekte im Stadtzentrum produziert, um die spannende(n) Geschichte(n) zu erzählen, die hinter den einzelnen Gebäuden stecken. Diese Audiodateien, es gibt je eine Version für Erwachsene und eine für Kinder, können über QR-Codes angesteuert werden, die auf kleinen Plaketten an den Objekten verfügbar gemacht wurden.

Die Audiodatei für Kinder zum Objekt Ensemble Fuhrmannskapelle, wie das Objekt auch genannt wird

Um auch ganz allgemeine Einblicke in das Thema Fachwerk in Montabaur zu geben, wurden durch die Studierenden gemeinsam mit dem Montabaurer Zimmerer Thomas Becker im Teilprojekt zwei Videoclips zu den Themen „Kleidung eines Zimmerers“ und „Sanierung und Restaurierung von Fachwerkgebäuden“ produziert.

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