Am vergangenen Dienstag, den 17. März 2026 fand die erste Veranstaltung der Vortragsreihe „Die Amis kommen! Das Kriegsende 1945 zwischen Koblenz und Kaub“ im wunderbaren Theater in Lahnstein statt – und der Saal war voll! Lahnsteins Oberbürgermeister Lennart Siefert nahm als Schirmherr an der Auftaktveranstaltung teil und eröffnete gemeinsam mit dem Intendanten des Hauses, Jörg Altenrath, den ersten Vortragsabend. Die Initiatoren der Vortragsreihe, Ulrich Linnemann und Klaus D. Schoch führten gemeinsam durch das Programm. Fast 100 Besucher:innen waren der Einladung gefolgt und dokumentierten dadurch eindrucksvoll, dass dieses Thema auch 81 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs nichts an Faszination und Relevanz verloren hat.

Den Anfang bildete ein kurzer Überblicksvortrag von KuLaDig-RLP, der auch die Frage beantwortete, welchen Stellenwert ‚Citizen Science‘, also die oft ehrenamtliche Forschung von Bürgerinnen und Bürgern, für das Landesprojekt hat. Von Projektleiter Michael Klemm auf einen kurzen Nenner gebracht: Ohne die überaus engagierte, kompetente und meist langjährige Arbeit der vielen Bürger und historischen Vereine in den rund 70 unterstützten Kommunen würde das Kulturerbe-Projekt nicht funktionieren, geht es doch im Kern darum, das lokale Wissen verfügbar und erlebbar zu machen. Er zeigte zudem auf, wie Privatpersonen konkret im Projekt KuLaDig mitarbeiten können, insbesondere in der BUGA-Region.
Florian Weber demonstrierte anhand zweier Beispiele, welche Berührungspunkte es bislang zum Kernthema der Reihe, dem Ende des Zweiten Weltkriegs, in der bisherigen Projektarbeit gab und wie diese Ereignisse medial in Szene gesetzt werden. So wurde anhand des „Rhine River Crossing Memorials“ in Nierstein, eine von 13 Stationen zum Thema „Leben am Rhein in Nierstein“, deutlich, dass es Vermittler braucht, die ein historisches Ereignis angemessen erläutern können. Im Fall von Nierstein hat Hans-Peter Hexemer vom Geschichtsverein Nierstein e.V. diese Rolle übernommen. Im Videoclip, der durch Studierende der Universität Koblenz produziert wurde, erzählt er unter Einbezug von Original-Videomaterial der amerikanischen Armee, von diesem denkwürdigen und für den Verlauf der letzten Kriegswochen enorm wichtigen Rheinübergang der 3. US-Armee unter General George Patton, der am 22. März 1945 stattfand.


Die Amerikaner setzen bei Nierstein über den Rhein (links) und ein amerikanischer B17-Bomber, wie er bei Römerberg abgestürzt ist (Bilder: gemeinfrei)



Eindrücke vom Impulsvortrag des Landesprojekts – vor erfreulicherweise vollbesetzten Rängen
Als zweites Beispiel wurde die Absturzstelle eines amerikanischen B17-Bombers in Römerberg-Mechtersheim präsentiert. Der Bomber befand sich im Januar 1945 auf den Anflug auf Mannheim und wurde von Flak getroffen. Sechs Mitglieder der Besatzung sprangen mit Fallschirmen ab, Pilot und Co-Pilot brachten das brennende Flugzeug zu einer Bruchlandung auf einem Feld von Mechtersheim. Der Co-Pilot wurde verhaftet, der Pilot fand im brennenden Flugzeug den Tod. Die Absturzstelle war eins von vielen Lost Places / verschwundenen Orten, die 2024 in Römerberg digital wieder erfahrbar gemacht wurden – auch im Rahmen von multimedialen Stories. Wir arbeiteten mit dem Feldforscher Eric Wiemann von IG Heimatforschung und den beiden Zeitzeugen Heinz Wagner und Werner Durein zusammen. Auf diese Weise konnte Expertenwissen mit Zeitzeugenwissen in einem gehaltvollen Videobeitrag zusammengeführt werden.



Die beiden Organisatoren und Moderatoren, Ulrich Linnemann (rechts) und Klaus D. Schoch, führten durch den Abend im wunderbaren Ambiente des Theaters Lahnstein – sogar ein „Themenbier“ war im Vorfeld eigens produziert worden
Im Hauptvortrag des Abends warfen Judith Höhn-Engers und Michael Koelges vom Stadtarchiv Koblenz in ihrem Vortrag beeindruckende Schlaglichter auf die letzten Kriegstage in Koblenz und wie sich die Stadt Koblenz in den drei Nachkriegsjahren bis zur Währungsreform entwickelte. Wie in einem Kaleidoskop wurde dem Publikum ausgebreitet, wie die Entnazifizierung und die Notversorgung mit dem Nötigsten abliefen. Das tragische Schicksal von ausländischen Zwangsarbeiterinnen und -arbeitern wurde ebenso angesprochen, wie der Aufbau eines neuen, demokratisch gesinnten politischen Systems, die frühe Schaffung von Kultur und Sportprogramm auch unter ärmlichsten Rahmenbedingungen. Der Wert eines Stadtarchivs, als Gedächtnis der eigenen Kommune und Identität, wurde an diesem Abend deutlich, denn die Beiträge wurden von einer Vielzahl eindrucksvoller und seltener Bilder und Dokumente unterlegt. Auf diese Weise entstand eine spannende und zugleich nachdenklich machende Zeitreise in das Koblenz von 1945 bis 1948.


Zeitreise am Beispiel wertvoller Dokumente aus dem Stadtarchiv Koblenz – Judith Höhn-Engers und der ehemalige Leiter Michael Koelges hatten viel zu erzählen über die Nachkriegszeit unter amerikanischer und französischer Besatzung
Diese beeindruckende Abendveranstaltung bildete den Auftakt zu einer Reihe von vier weiteren Vortragsabenden zu verschiedenen Abschnitten des Oberen Mittelrheintals, bevor in einer Abschlussdiskussion am 23. Juni zusammen mit den Besuchern erarbeitet werden soll, wie auch die Beiträge einzelner Bürger via KuLaDig der Öffentlichkeit verfügbar machen werden können. Als nächstes führt am 14. April Richard Schneck aus Rhens in die letzten Kriegstage und die heißumkämpften Rheinübergänge bei Rhens und Brey. Tickets können im Vorverkauf zu 7,00 € erworben werden [hier geht’s zu den Tickets].

Das Vortragsprogramm mit einigen Bürgerforschern verspricht vier weitere spannende Abende im Theater Lahnstein.
Beitrags-Titelbild von der Presseveranstaltung im Vorfeld der ersten Vorträge: Blanka Linnemann.
Toll umgesetzter Beitrag; herzlichen Dank!Wir freuen uns sehr, KuLaDig RLP für unsere Vortragsreihe mit an Bord bekommen zu haben und blicken mit Euch vor allem auf den 23. Juni, wo wir Überlegungen mit allen Interessierten entwickeln wollen, wie wir das Thema Kriegsende 1945 und ‚Stunde Null‘ im Oberen Mittelrheintal mit Euer Unterstützung weiter erschließen können.In diesem Sinne – und bis zu unserem nächsten Zusammenkommen!Ulrich Linnemann- für die Projektgruppe „Die Amis kommen!“ Das Kriegsende 1945 zwischen Koblenz und Kaub –
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