Die Frage, wie sich KuLaDig-Inhalte in anderen Sprachen ausgeben lassen, wurde schon vielfach an uns herangetragen. Verständlicherweise, denn einige unserer Partnerkommunen befinden sich in Grenznähe zu anderen europäischen Ländern oder sind ein touristisches Ziel für Menschen aus anderen Ländern. Warum also sollte man die Zielgruppe Tourist:innen nicht ebenfalls in deren Muttersprachen mit den eigenen digitalen Daten ansprechen?

Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) als Betreiber von KuLaDig kann bei über 25.000 Einträgen keine Übersetzung aller Beiträge anbieten, zumal ja auch nicht immer nur Englisch die gewünschte Option wäre, wenn sich zum Beispiel Niederländer in Diez ganz besonders für die dortige Geschichte ihres Königshauses Oranien interessieren.
Wie aber ist es dennoch möglich, in KuLaDig auch mehrsprachige Inhalte zu präsentieren? Vielfach wurde in der Vergangenheit diskutiert: Sollte man in einem Objektbeitrag den deutschen Text parallel auch in englischer Sprache anbieten? Ist es nutzerfreundlicher, den Objektbeitrag nochmal komplett in einer anderen Sprache anzulegen, als digitalen fremdsprachigen Zwilling sozusagen? All diese Möglichkeiten sind Notlösungen und – das ist die gute Nachricht – inzwischen nicht mehr notwendig. Denn auch wenn KuLaDig an sich keine Option zur Mehrsprachigkeit bietet, kann Google mit einer kostenfreien und unkomplizierten Lösung aufwarten: Google Translate für Webseiten. Diese Anwendung erlaubt die Übersetzung der kompletten Seiteninhalte aus der KuLaDig-Datenbank in eine Vielzahl von Sprachen, in einer in der Regel guten Qualität (sicher kann die Übersetzungsqualität je nach Sprache und Fachausdrücken schwanken). So auch der oben erwähnte Themenbeitrag zu den Spuren des Hauses Nassau in Diez – nun auf Niederländisch.
Ein Praxisbeispiel: Zeiskam


Die Darstellung des übersetzten KuLaDig-Beitrags zum Geburtshaus von Jakob Franz Marulaz in Zeiskam. Selbst die Bildunterschriften werden übersetzt.
Die Ortsgemeinde Zeiskam in der Pfalz wird nicht nur aufgrund ihrer geografischen Nähe zu Frankreich, sondern auch wegen verschiedener kulturhistorischer Berührungspunkte gerne von Menschen aus Frankreich besucht, zumal die Pfalz wie andere Teile von Rheinland-Pfalz länger von Frankreich regiert wurde, was viele Spuren hinterlassen hat. So wurde zum Beispiel in Zeiskam Jakob Franz Marulaz (1769-1842) geboren. Dieser machte als General in Napoleons Armee Karriere, erhielt 1817 die französische Staatsbürgerschaft und wird aufgrund seiner großen Tapferkeit als französischer Nationalheld am Arc de Triomphe in Paris namentlich geführt. Aus diesem Grund möchte das kommunale Team Zeiskam die eigenen digitalen Daten auch in französischer Sprache anbieten – hier der Beitrag zu Jakob Franz Marulaz in französischer Sprache. Denkbar wäre, auf Infoschildern mehrere QR-Codes anzubieten – kleine integrierte Flaggen könnten die jeweilige Sprache direkt sichtbar zu machen (siehe Beitragsbild).
Grenzen dieser automatischen Übersetzung gibt es freilich schon, zumindest für unsere mitunter komplex produzierten multimedialen Stories wie etwa beim Schumann-Rundweg in Neustadt an der Weinstraße: Integrierte externe Elemente wie der mit H5P erstellte Zeitstrahl kann Google Translator nicht übersetzen und mitunter auch nicht anzeigen. Hier braucht es dann doch noch etwas „Feintuning“ von Hand. Zudem bleibt nicht immer das Design der Website so gut erhalten wie bei KuLaDig-Beiträgen.
Kleiner Tipp zur Urlaubszeit

Sollte man selbst mal im Ausland in die Verlegenheit geraten vor einer Tafel mit Informationen zu einem historischen Ort zu stehen und keine deutsche Textvariante zu finden – ein Umstand, der nicht so selten vorkommt – bietet Google ebenfalls ein hilfreiches Tool: Google Lens. Diese in der Regel bereits vorinstallierte Anwendung bietet beim Öffnen die Funktion „Übersetzen“ an, so dass man lediglich den zu übersetzenden Text in das Scan-Feld nehmen muss – und die deutsche Übersetzung wird eingeblendet.
Davon abgesehen würde es Europa aber dennoch gut stehen, wenn man sich um die mehrsprachige Vermittlung des kulturellen Erbes mehr bemühen würde. Auch das wäre eine sinnvolle Maßnahme für die dringend notwendige bessere Völkerverständigung.