Thementour zum Wegbereiter der Europäischen Union eröffnet
Letzte Woche Mittwoch, am Tag der Demokratiegeschichte, eröffnete Neustadts Oberbürgermeister Marc Weigel die Thementour „Auf den Spuren von Robert Schuman in Neustadt an der Weinstraße“. Der vom Bundespräsidenten ausgerufene Gedenktag an die Mainzer Republik von 1793, die Revolution von 1848 sowie die ersten freien Wahlen in Ostdeutschland im Jahre 1990 war ein überaus passender Anlass, um den neuen Rundgang der Öffentlichkeit vorzustellen.
Diese Thementour erzählt an sechs ausgewählten Orten, wie Schuman 1940, also nach der Besatzung Frankreichs durch Nazideutschland, von der Gestapo in Metz verhaftet und nach Neustadt an der Weinstraße gebracht worden war. Im damaligen Kurhaus Kohler wurde Schuman interniert und stand fortan unter Bewachung der Gestapo, bis ihm im August 1942 die Flucht ins unbesetzte Frankreich gelang. Nach dem Krieg kehrte Schuman in die Politik zurück und bemühte sich um die Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich sowie um die Einigung Europas. Zurecht gilt er als Gründervater der Europäischen Gemeinschaft.

Die Tour führt zu Schumans Spuren in Neustadt, beispielsweise neben dem Hetzelplatz und dem damaligen Kurhaus Kohler auch zum Kloster Neustadt, dessen friedliche Atmosphäre Schuman in den schweren Momenten sehr half. An der damaligen Gestapo-Zentrale in Neustadt, heute Lernort Gestapo Neustadt in der Konrad-Adenauer-Straße 10, wird deutlich, dass Schumans Leben stets durch die Willkür seiner Bewacher gefährdet war und auch in ganz anderen Bahnen hätte verlaufen können. Auch der Bahnhof, über den Schuman mutmaßlich seine Flucht nahm, ist Teil der Tour, bevor diese am Marktplatz mit einem Rück- und Ausblick auf die Demokratiegeschichte der Stadt ihr Ende nimmt. Eine Überblickseite spannt den Bogen vom Hambacher Fest über Schumans frühe Wirken und den Neustadt-Aufenthalt zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft bis in die Gegenwart.


Neustadts Oberbürgermeister Marc Weigel (links) und SGD Süd-Präsident Prof. Dr. Hannes Kopf (rechts) erläuterten die Hintergründe. Gilbert Schuh und Werner Schreiner (rechtes Foto in der Mitte) betonten die deutsch-französische Freundschaft.
„Gerade in herausfordernden Zeiten braucht es Orte und Formate, die Demokratie sichtbar und greifbar machen. Die neue Tour leistet hierzu einen wichtigen Beitrag, indem sie lokale Geschichte mit der europäischen Idee verbindet,“ so Oberbürgermeister Weigel in seiner Ansprache. Gilbert Schuh, Vizepräsident des Départementrats Moselle, betonte die besondere Bedeutung der deutsch-französischen Freundschaft. Sie sei ein tragendes Fundament Europas und gerade vor dem historischen Hintergrund von Robert Schuman von besonderer Kraft. Auch der Beauftrage der Landesregierung für grenzüberschreitende Zusammenarbeit, Werner Schreiner, und Prof. Dr. Hannes Kopf, Präsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd und Beiratsvorsitzender von KuLaDig-RLP, betonten in Vertretung des Innenministers die Wichtigkeit und Aktualität von Schumans Kampf für Versöhnung und gemeinsame demokratische Werte für ein geeintes Europa. Schüler der BBS Neustadt, die am dortigen Europaprojekt mitwirken, demonstrierten in Form eines Poetry-Slams, wie sich durch Kreativität und Kunst ein positives europäisches Selbstverständnis vermittelt lässt.
Statements einiger Mitwirkender im Rahmen der Eröffnung: Martin Lange, Erich Bien, Philine Zeuner, KuLaDig-RLP-Projektleiter Michael Klemm, Schüler der BBS Neustadt


Die Stationen-Seiten wollen all das aufgreifen – und entstanden in vorbildlichem Teamwork. Neben den Audiopodcasts, die im Zentrum der Wissensvermittlung stehen und in denen die beiden Koblenzer Studierenden Laura Keller und Sanam Sadat Antworten auf ihre Fragen zu Robert Schuman finden, wurde jede Seite mit einer thematisch passenden Zeichnung der jungen Künstlerin Philine Zeuner gestaltet. Die vielen ehrenamtlich Mitwirkenden aus Neustadt haben Fotos, Texte und Dokumente beigesteuert, die nun ebenfalls auf den Seiten verfügbar gemacht wurden. Auf diese Weise wird jede Zielgruppe bedient, egal ob man sich einen Überblick verschaffen will oder über Links tiefer in die Materie einsteigen will.



Einige Eindrücke von der digitalen und multimedialen Umsetzung der Themenroute, maßgeblich gestaltet von Florian Weber
Seit 2025 wurde die Thementour als Teilprojekt Neustadt an der Weinstraße gemeinsam von Mitarbeitenden der Stadt um Martin Lange, Ehrenamtlern wie u.a. Erich Bien und Bruder Josef vom Herz-Jesu-Kloster und Studierenden der Universität Koblenz in engem Teamwork mit dem KuLaDig-RLP-Team als multimediale Story umgesetzt – vorbildlich auch für künftige Themenrouten. Zu sechs Orten im Stadtgebiet wurden digitale Stationen erstellt, die über Robert Schumans Zeit in Neustadt erzählen. Diese sollen bald auch in Form von physischen Stationen mit QR-Codes an den Objekten selbst kenntlich gemacht werden.
Hier die Meldung zur Eröffnung auf der Webseite der Stadt Neustadt und hier der Flyer zur Tour.