Objekt des Monats Januar: Friedhof in Herxheim

Mitten in Herxheim bei Landau in der Pfalz, zwischen der Pfarrkirche Sankt Maria Himmelfahrt und dem St. Paulus Stift gelegen, befindet sich der kommunale Friedhof, unser Objekt des Monats Januar. Wie manch andere „letzte Ruhestätte“ auch, wurde der Friedhof in der sogenannten Franzosenzeit, in Folge der von Napoleon verordneten Hygieneregelungen in den Jahren 1813/14 gegründet. Zu Beginn war das Areal noch außerhalb der Siedlung, nördlich von historischem Ortskern und Pfarrkirche gelegen. Über die Jahre wuchs er nach Osten und der Siedlungsbereich mit seinen Wohnhäusern rückte von Süden her näher an den Friedhof heran, bis er ihn dann völlig umschloss.

Fast zwei Jahrhunderte lang erfüllte dieser Ort seine Funktion als zentrale Ruhe- und Erinnerungsstätte von Herxheim, wuchs sogar 1995 nochmal um weitere 600 Quadratmeter in südwestliche Richtung erweitert. In den frühen 2000er Jahren aber wurde allmählich ein Wandel spürbar. Die herkömmlichen Gräber wurden weniger, Urnengräber und pflegefreie Bestattungsformen erfreuten sich zunehmender Beliebtheit. Dadurch ließ der Platzbedarf nach Grabstätten, wie in vielen deutschen Kommunen, auch in Herxheim stark nach.

Das Herxheimer Team stellt die Grabmäler vor, während der Begehung im Mai 2024 mit dem Projektteam.

In Folge dieser Entwicklungen wurde in der Kommunalverwaltung über eine längerfristige Umfunktionierung des Friedhofs hin zu einer parkähnlichen Grünanlage nachgedacht. Neben einer Stärkung des Erholungs- und Begegnungscharakters sollte die Vermittlung von lokalem Wissen in der Neukonzeption verankert werden. Aus diesem Grund wählten Verbands- und Ortsgemeinde gemeinsam mit dem Herxheimer Heimatverein e.V.  – auf Basis der Denkmalliste – kulturhistorisch und in ihrer Gestaltung bedeutsame Gräber aus, um sie als steinerne Zeugen verschiedener Epochen der Ortsgeschichte wieder ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Da ein Schwerpunkt auf die digitale Wissensvermittlung gelegt werden sollte, bewarb sich die Verbandsgemeinde gemeinsam mit dem Heimatverein für eine Teilnahme am Landesprojekt KuLaDig-RLP für das Jahr 2024. An vier verschiedenen Standorten in der Ortsgemeinde wurden Gräber und Gedächtnisorte für KuLaDig erfasst.

Die ältesten Gräber auf dem Kirchhof (links) und die Gräber auf dem Klosterfriedhof des St. Paulusstiftes (rechts).

Neben dem Friedhof wurden die ältesten Gräber auf dem Kirchhof, die Kriegergedächtniskapelle auf dem Kirchberg und ausgewählte Grabmäler auf dem Klosterfriedhof des St. Paulus Stiftes ausgewählt, wodurch sich weitere spannende Erzählstränge rund um das Thema Bestattungs- und Erinnerungskultur auftaten. Die vier Hauptobjekte Friedhof, Klosterfriedhof, Kriegergedächtniskapelle und Pfarrkirche werden stets mit einem Drohnenflugvideo, unterlegt mit den wesentlichen Informationen, vorgestellt. Finanziert wurde die Produktion dieser Videos über die Anschubfinanzierung unseres Projekts.

Dr. Klaus Eichenlaub vom Heimat Verein Herxheim gibt in etlichen Audios Einblicke in die Lebensgeschichten bedeutsamer Herxheimer.

An den meisten Objektbeiträgen gibt es zudem Audiodateien, in denen die Lebens- und Wirkungsgeschichten verschiedener bedeutsamer Herxheimer Persönlichkeiten erzählt werden, wie beispielsweise von Georg Adam Zotz, einem Kommandanten der französischen Artillerie und Ritter des heiligen Ludwig-Ordens, oder die bewegende Geschichte des kleinen Augustin Peters, der im Jahre 1821 mit nur acht Jahren starb – was exemplarisch für die hohe Kindersterblichkeit dieser Zeit steht. Und es zeigt sich: Stets bieten diese Biografien auch die Möglichkeit, den Blick über die Ortsgrenzen hinweg auf das jeweilige Weltgeschehen zu richten, zum Nach- und Weiterdenken anzuregen.

In Kürze sollen in Herxheim die KuLaDig-Objekte noch stärker ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt werden. So sollen beispielsweise Infotafeln und Flyer einen Zugang zu den digitalen Daten der Objekte schaffen, an denen ja nicht wie üblich QR-Codes angebracht werden können. Herxheim wird bei diesem Prozess mit unserer Sicht.bar-Förderung unterstützt.

Beitragsfoto: Historisch bedeutsames Grab von Dr. Otto Wieser auf dem Herxheimer Friedhof

Hinterlasse einen Kommentar