Am 7. August 1988 versammelte sich eine Vielzahl an Menschen am Kamp-Bornhofener Rheinufer. Angelockt wurden sie von einer Sehenswürdigkeit, die nur eine kurze Zeit Bestand haben sollte und die so schnell nicht noch einmal im Ort, ja nicht einmal im gesamten Welterbegebiet Oberes Mittelrheintal zu erleben sein würde. Es handelte sich um ein Rheinfloß aus verschiedenen Baumstämmen, von Hand zusammengestellt und damit in der traditionellen Bauart gefertigt. Die Länge betrug 110 Meter, die Breite 20 Meter. Dieses Floß war zum 700-jährigen Jubiläum der Stadt Düsseldorf (14. August 1988) erbaut worden und startete am 6. August in Mainz, machte in Kamp-Bornhofen eine erste Übernachtungsstation, bevor es nach weiteren Stationen am 11. August in Düsseldorf eintraf. Die vielen Menschen aus Kamp-Bornhofen und Umgebung, die das Floß besichtigten, machen einmal mehr deutlich, wie sehr sich die Ortsgemeinde mit der Flößerei identifiziert, .

Damit aber war dieses Floß um ein Vielfaches kleiner als die alten Rheinflöße, die teilweise mehrere Hundert Meter lang waren. Um diese riesigen Konstrukte den Fluss hinunter steuern zu können, bedurfte es einer erfahrenen Mannschaft und verschiedenen, heute nicht mehr existierenden Berufen, beispielsweise dem Floßherren, Floßmeister, Floßknechten oder den Warschauern. Auch bebaut waren diese Flöße, mit einer Vielzahl an Holzhütten, in denen bis zu 50 Personen auf engstem Raum schliefen. Da nur bei Tag und zudem guter Sicht gefahren werden konnte, mussten die Flößer gegen Abend an geeigneten Stellen für die Nacht festmachen und ankern.
Eine dieser auch für große Flöße geeigneten Orte befindet sich in Kamp-Bornhofen, damals noch aus den beiden eigenstehenden Orten Camp und Bornhofen bestehend. In Camp wurde zudem Proviant an Bord genommen, teilweise wechselte die Mannschaft. Nicht zuletzt hatten im Ort einige Floßherren, also Floß-Eigentümer, ihre Kontorgebäude. So viele Camper Männer arbeiteten auf den Flößen, dass sich im Jahre 1906 Pfarrer Rentz veranlasst sah, die jungen Frauen aus seiner Pfarrei mit folgenden Worten zu warnen: „Heirate nie einen Flößer, denn dann hast du im Sommer keinen Mann und im Winter kein Brot.“


Wie groß die alten Rheinflöße waren, zeigt das historische Bild eines Floßes bei Sankt Goarshausen um 1900. Das zweite Bild zeigt Flößer beim „Einbinden“, also Zusammenbauen, eines Floßes.
Der Stationenweg als Produkt der Verwertungsförderung
2019 wurde die Ortsgemeinde Kamp-Bornhofen eine der ersten Modellkommunen in unserem Landesprojekt. Es wurden Orte mit Bezug zu Flößerei und Schifferei in KuLaDig erfasst, auch mit Audio unterstützt als kindgerechtes Format. Im „Corona-Jahr“ 2020 wurde das im Rathaus untergebrachte „Flößer- und Schiffermuseum“ als virtuell besuchbares Museum – damals ein Novum in unserem Projekt – mithilfe der Anschubfinanzierung in 360-Grad digitalisiert. Auch wenn dies natürlich keinen Ersatz für das reale Besuchserlebnis darstellt, es bietet Einblicke in die beeindruckende Sammlung gibt und steht nun 24/7 offen.

Blick in den virtuellen 360-Grad-Raum des Flößer- und Schiffermuseums im Rathaus Kamp-Bornhofen.
2022 wurde Kamp-Bornhofen erneut durch das Landesprojekt gefördert, dieses Mal in der Verwertungsförderung, die speziell der Sichtbarmachung der digitalen Daten im Ort selbst dient. Gemeinsam mit dem kommunalen Team um Peter Wendling und Alfred Leyendecker wurden ein Themenweg mit neun Stationen im Ort konzipiert und – korrespondierend zu diesen Stationen – WordPress-Seiten angelegt. Anfang dieses Jahres wurden dann auch die mittels 3D-Druck erstellten Plaketten fertiggestellt und an den Orten installiert, um die digitalen Inhalte unmittelbar verfügbar zu machen.

Beispiel für eins der 3D-Druckplaketten, mittels derer die Stationen in Kamp-Bornhofen gekennzeichnet sind.
Die neun Seiten behandeln einzelne thematische Aspekte der Flößerei, wie beispielsweise die Rolle von Kirche und christlichem Glauben (Station 2) für die Flößer, dem Bestreben, sich im Flößer- und Schifferverein zu organisieren (Station 3), altes Wissen zum Zusammenbau der Flöße (Einbinden genannt) (Station 8) und nicht zuletzt auch den Niedergang der Flößerei mit dem Aufkommen der Dampfschifffahrt (Station 9). Auf jeder Seite ist ein Kartenausschnitt eingebettet, der die neun Stationen verortet und auch eine Navigation zur nächsten Station anbietet. Neben (historischen) Fotos werden auf den Seiten auch vereinzelt Videoclips und Wischbilder zum Vergleichen von früher und heute angeboten.

Kartenausschnitt zu den einzelnen Stationen in Kamp-Bornhofen mit der Möglichkeit, sich an die Stationen navigieren zu lassen.
Vorarbeiten für die Bundesgartenschau 2029
Unsere Umsetzung in Kamp-Bornhofen kann nicht nur als Beleg für den Nutzen der Verwertungsförderung gesehen werden, sondern auch als Vorarbeit und Blaupause unseres Projekts „KuLaDig-RLP meets BUGA 2029“, da es zum Ziel hatte, Daten aus dem digitalen Raum heraus in die Ortsgemeinde zu tragen und dort unmittelbar sicht- und nutzbar zu machen. Mit der Initialzündung, am 27. März diesen Jahres fand im Kulturhaus Oberwesel unsere Auftaktveranstaltung mit Staatssekretärin Simone Schneider (MdI) statt. Nun geht es darum, den KuLaDig-Bestand im Welterbe-Gebiet Oberes Mittelrheintal zu sichten, thematisch zu ordnen und sinnvoll zu ergänzen, auch multimedial. Am Ende sollen verschiedene weitere Themenrouten in und zwischen Kommunen umgesetzt werden und – ähnlich wie in Kamp-Bornhofen – vor Ort nutzbar gemacht werden.
Ein Gedanke zu “Objekt des Monats Mai: Stationenweg zur Geschichte der Flößerei in Kamp-Bornhofen”