Objekt des Monats April: Denkmal für Georg Kreuzberg in Bad Neuenahr

Wer kennt es nicht? Dieses mit dem einprägsamen roten Dreieck – einst in Großbritannien eine Kennzeichnung besonders qualitativer Produkte – versehene Mineralwasser, von den Briten im ausgehenden 19. Jahrhundert als „The Queen of Table Waters“ bezeichnet? Dieses, heute von der Coca-Cola Company vertriebene Produkt stammt ursprünglich aus Rheinland-Pfalz, genauer gesagt aus Bad Neuenahr. Aber gehen wir ein paar Schritte zurück:

Georg Kreuzberg, Porträt (Archiv: H. Rieck).

Im Jahre 1852 entdeckte der aus Bad Neuenahr stammende Weinhändler Georg Kreuzberg (1796-1873) auf seinem Grund eine Quelle. Kreuzberg ließ diese Quellen umfassen und benannte sie, da es in der Nähe einen dem heiligen Apollinaris gewidmeten Bildstock und einen Pilgerpfad gab, „Apollinaris-Brunnen“. Ein Jahr später wurde ihm von König die Erlaubnis zuteil, dieses Mineralwasser auch zu vertreiben. Kreuzberg erwies sich dabei als äußerst fähiger und teilweise auch rücksichtsloser Geschäftsmann, der seine Konkurrenten in den benachbarten Orten Sinzig und Heppingen auszuschalten wusste und zugleich ein gutes Gespür für technische Innovationen hatte.

Um den Apollinaris-Mineralbrunnen wurde später ein imposantes Gebäude gebaut (links), Apollinaris-Flaschenlager im Jahr 1890 (rechts) (Bilder: Stadtarchiv Bad Neuenahr-Ahrweiler).

Bis zum Ende des Jahrhunderts wuchs sein Apollinaris-Wasser zu einem Verkaufsschlager heran, der überall in deutschen Landen, aber darüber hinaus auch in Großbritannien und bis in tropische Kolonialgebiete vertrieben wurde. Mit wachsender Bekannt- und Beliebtheit wurde die eigentliche Quelle zu einem touristischen Hotspot und auch hier erwies sich Kreuzberg als vorausschauender und klug agierender Geschäftsmann: 1863 erhielt Georg Kreuzberg die Konzession, mit dem Brunnen verbunden einen kleinen (Kalt-)Badebetrieb anzubieten, weitere Thermal- und Mineralquellen anzubohren und zu nutzen. Der Grundstein für den Kur- und Badeort Bad Neuenahr war gelegt und Kreuzberg wurde zum ersten Kurdirektor des aufblühenden Ortes. Um die Jahrhundertwende war Bad Neuenahr zu einem prestigeträchtigen Ort mit internationaler Bekanntheit geworden. Prunkvolle Grandhotels, wie das Palasthotel oder das Hotel Flora, prägten das Stadtbild neben Parkanlagen, Kurhäusern und Vergnügungsstätten, beispielsweise dem Casino.

Bilder aus der goldenen Zeit des Kur- und Heilbades Bad Neuenahr (Bilder: Archiv H. Rieck, J. Haffke, Stadtarchiv Bad Neuenahr-Ahrweiler).

Zur Erinnerung an Georg Kreuzberg und die Bedeutung seines Engagements für die gesamte Region der heutigen Städte Bad Neuenahr-Ahrweiler und Sinzig wurde dem Begründer des lokalen Kur- und Bäderwesens bereits 1875, also zwei Jahre nach seinem Tod, unmittelbar an der von ihm entdeckten Mineralwasserquelle ein Denkmal gesetzt. Dieses wurde 2014 von einer Studentin der Geografie der damaligen Universität Koblenz-Landau in KuLaDig beschrieben, unser Objekt des Monats April. Dies erfolgte in der seinerzeit üblichen Form, mit wenigen Fotos und knappem beschreibenden Text. Insofern steht dieser KuLaDig-Beitrag auch stellvertretend für die unzähligen, die wir in unseren Modellkommunen und künftig auch auf dem Gebiet der Bundesgartenschau 2029 sichten, aktualisieren, ergänzen und multimedial anreichern möchten.

Da sich die beiden Städte Bad Neuenahr-Ahrweiler und Sinzig seit 2024 als Modellkommunen in unserem Landesprojekt unterstützt werden, bildet dieser Objektbeitrag gewissermaßen einen schönen Quellpunkt für all die Objektbeiträge, die zukünftig das Thema Bäder- und Kurgeschichte in KuLaDig abbilden werden. Das engagierte kommunale Team ist für diese anspruchsvolle Aufgabe bestens zusammengestellt und besteht neben einem ehemaligen Mitglied der LVR-KuLaDig-Redaktion aus versierten Fachleuten.

In diesem Videoclip wird die Restaurierung einer Apollinaris-Flasche durch die amerikanische Restauratorin Kacey Green erläutert. Neben der Geschichte schwingt auch die Flutkatastrophe von 2021 mit.

Das umfangreiche Wissen dieser ehrenamtlich Beteiligten prägt nun die Textbeiträge, die bereits im Hintergrund der Projektarbeit angelegt wurden und werden. Auch war es uns ein Bedürfnis Videoclips mit den beteiligten Personen zu produzieren, um das in jahrzehntelanger Arbeit erworbenen Expertenwissen ansatzweise zu dokumentieren und der Öffentlichkeit verfügbar zu machen. Unser Teilprojekt bildet dabei nur einen Startpunkt, denn langfristig gesehen sollen Objekte und Orte zum Thema Kur- und Bäderwesen an Ahr und Mittelrhein flächendeckend in KuLaDig präsentiert werden, Dabei werden auch bereits bestehende Objekte selbstverständlich in diese Gruppe integriert, natürlich nicht ohne eine Aktualisierung und Optimierung.

Um verschiedene Zielgruppen zu erreichen, sollen verschiedene Persönlichkeiten (hier ein Kurarzt und eine mondäne, junge Kurbesucherin, beide mittels KI erstellt) verknüpft mit Audiodateien vielfältige Einblicke in den Kuralltag geben und zum Beispiel skurrile Behandlungsmethoden ebenso beleuchten wie die Menüauswahl der Grand-Hotels (Bilder: KI generiert, KuLaDig-RLP).

Neben den Videoclips arbeiten wir mit unseren kommunalen Partnern an weiteren Medienformaten. Denn einerseits sollen die umfassenden Inhalte für alle, die in thematische Tiefen abtauchen wollen, in KuLaDig verfügbar gemacht werden. Immerhin gibt es hierzulande kein digitales Informationssystem, das sich dem Thema derart akribisch nähert. Andererseits aber sollen natürlich auch Personen angesprochen werden, die sich zu Objekten und Fragen einen Überblick verschaffen wollen. Wie so häufig sehen wir die Chance in verschiedenen Medienformaten, um dieser Herausforderung gerecht zu werden. Wir halten Sie, wie immer, auf dem Laufenden.

(Titelbild: Historischer Werbespiegel von Apollinaris, in Privatbesitz).

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