Es gibt Kulturlandschaftsobjekte, die ganz offenkundig Geschichte verkörpern, sie für uns anschaulich und greifbar machen. Beim Besuch einer Burg beispielsweise ist jedem bewusst, dass dieser Ort seit Jahrhunderten eine klare Funktion für den Menschen besitzt – die im Falle der Burg darin liegt, eine trutzige Behausung zu bieten, Grenzen zu sichern, Verwaltung möglich zu machen und vieles mehr.
Andere geschichtsträchtige Orte sind weniger aussagekräftig in ihrem Äußeren und ihre Bedeutung ist nur wenigen Eingeweihten bewusst, manche sind sogar völlig aus der Anschauung verschwunden. Solch ein Objekt finden wir mit den Schanzenrelikten im Wald östlich von Bellheim, unserem Objekt des Monats September.

Die Schanze im Wald umfasste einen Stausee und -damm sowie eine dreieckige Kanonenrampe.
Einst wurde hier durch die Menschen der Umgebung Enormes geleistet. In Fronarbeit Tausender wurden Schanzen und Wälle angelegt, linienförmige Feldbefestigungen als Teil einer mächtigen Verteidigungsanlage, den so genannten „Queichlinien“. Diese erstreckten sich von Annweiler über Landau bis zum Rhein, zunächst bei Germersheim, letztendlich bei Hördt. Erbaut wurden sie durch die Franzosen während des Pfälzischen (1688 – 1697) und Spanischen Erbfolgekrieges (1701 -1714) als Ergänzung der aufwändigen Hauptbefestigungen in Mannheim, Philippsburg oder Landau. In den Queichlinien wurde das Wasser des Baches Queich und weiterer Bäche der Umgebung genutzt. Aufgestaut mithilfe von Staudämmen, wurden im Falle eines Angriffs ganze Flächen systematisch geflutet, so dass sie für die damaligen Armeen mit ihrer schweren Artillerie kaum zu überwinden waren.

An den meisten Stellen präsentiert sich die Queich als ruhig fließendes Gewässer, wie hier in Bellheim. Aufgestaut aber konnte es für Armeen nur schwer zu überwindende Hindernisse darstellen.
Da sie aber nur aus Holz und Erde errichtet waren, verfielen die Queichlinien relativ schnell wieder. Im Fall unserer Schanze im Bellheimer Wald wurden die Relikte von der Vegetation überwuchert und unkenntlich gemacht, zumindest für Laien. Umso wichtiger erschien es uns im letzten Jahr, diese vergangenen Strukturen für die Menschen wieder sichtbar und nachvollziehbar zu machen. Gemeinsam mit dem kommunalen und dem studentischen Team, bestehend aus Studierenden der Kulturwissenschaft und der Germanistik der Uni in Koblenz, stellte sich uns die Frage, wie man diese Spuren vermitteln kann, ohne auf kostspielige Rekonstruktionen und Computer-Animationen zurückgreifen zu müssen. Als Mittel der Wahl entschieden wir uns für einen Videoclip mit dem Fachmann Hermann-Josef Schwab, der unmittelbar vor Ort und mit Hilfe alter Karten die einstige Anlage erläutert.
Hermann-Josef Schwab, Fachmann zu den Queichlinien, erläutert die Relikte im Wald (2022).
Neben den Schanzenrelikten im Wald wurden im Teilprojekt ein Themenbeitrag zu den Queichlinien und weitere Videoclips erarbeitet, darunter auch Drohnenaufnahmen.
Drei weitere Objektbeiträge werden zurzeit noch fertig gestellt und in Kürze in KuLaDig verfügbar sein. In unserer Partnerkommune, der Verbandsgemeinde Bellheim, sollen die KuLaDig-Objekte auf eigenem Gebiet künftig stärker touristisch beworben werden.


In Bellheim selbst hat man sich in der Vergangenheit bereits um eine Sichtbarmachung der Queichlinien bemüht (Infoschilder und die Rekonstruktion eines Wallabschnitts). In Zukunft soll da noch mehr passieren, auch unter Berücksichtigung der Möglichkeiten und digitalen Daten in KulaDig.
Esther Grüne, Leiterin der Tourist-Information, hat dazu schon verschiedene Ideen. Längerfristig wäre es natürlich wünschenswert, wenn die anderen Kommunen, auf denen sich weitere Relikte der Queichlinien befinden, dem Beispiel Bellheims anschließen und die eigenen Spuren der Queichlinien in KuLaDig sichtbar machen.