Über das Projekt

Kulturgeschichte sichtbar, erlebbar, nutzbar machen.
Forschungsprojekt zur Digitalisierung des kulturellen Erbes in Rheinland-Pfalz

Jede noch so kleine Kommune hat ihr spezielles kulturelles Erbe, das lokale Identität stiftet. Ziel des Forschungs-, Förder- und Modellprojekts „Digitale Erfassung und Präsentation von Kulturlandschaften in Rheinland-Pfalz (KuLaDig-RLP)“ ist es, die kulturelle Vielfalt in Rheinland-Pfalz systematisch zu erfassen und durch digitale wie multimediale Aufbereitung ausgewählter Objekte sichtbar und im Alltag vielseitig nutzbar zu machen, für Einheimische wie Außenstehende.

Was ist und macht dieses Landesprojekt „KuLaDig Rheinland-Pfalz“? Antworten gibt es im Videoclip

Im Projektzeitraum Januar 2019 bis (aktuell) Dezember 2026 werden dafür Modelle zur Digitalisierung des kulturellen Erbes entwickelt, die allen rheinland-pfälzischen Kommunen zur Verfügung gestellt werden. Ein Ergebnis ist bereits der Digitale Leitfaden, der alle Kommunen bei der eigenständigen Erarbeitung von KuLaDig-Objekten systematisch unterstützt, zusammen mit dem KuLaDig-Kompetenzzentrum des Landes an der SGD Süd. Hinzu kommt ab 2025 der Aufbau eines „KuLaDig-RLP-Campus“ zur Vermittlung vielfältiger Kompetenzen an kommunale Teams.

Projektleiter Prof. Dr. Michael Klemm erläutert das Vorgehen des Projekts im SWR-2-Interview (8.1.2024):

Partielle Neuausrichtung ab 2025

Förderbescheidübergabe für 2025/26 am 24. Januar 2025 in Kaub. Von links: Christine Brehm vom KuLaDig-Kompetenzzentrum an der SGD Süd, Uni-Präsident Prof. Dr. Stefan Wehner, Projektleiter Prof. Dr. Michael Klemm, Innenminister Michael Ebling, ehemaliger Innenminister Roger Lewentz

Ab 2025 kommt es zu einer partiellen Neuausrichtung von KuLaDig-RLP, denn – wie es sich für ein Modellprojekt gehört – werden auch im 7. und 8. Jahr wieder neue Wege beschritten. Die Modellkommunen folgen nun einem gemeinsamen Rahmenthema – in 2025 „Lebenswege der Geschichte – Biografische Spurensuche“ (die Bewerbungsphase läuft noch bis Ende Januar). Zweitens wird in den nächsten Jahren der „KuLaDig-RLP-Campus“ aufgebaut, eine Web-Plattform , um den rheinland-pfälzischen Kommunen in Form von Tutorials, Webinaren und Veranstaltungen vor Ort Wissen zur digitalen und medialen Aufbereitung ihres kulturellen Erbes zu vermitteln. Und drittens bekommt das Projekt mit dem BUGA-2029-Gebiet Welterbe Oberes Mittelrheintal einen regionalen Schwerpunkt. Bis zur Bundesgartenschau soll das ganze Tal im Informationssystem KuLaDig erfasst werden, insbesondere mit ortsübergreifenden Routen zu ausgewählten Themen. Dabei werden die Erkenntnisse der ersten sechs Jahre eingebracht, wie dies schon in den Modellkommunen Kamp-Bornhofen, Kaub und Bacharach sichtbar ist.

KuLaDig-RLP im Podcast „weiter:denken“ der Universität Koblenz: Interview von Dr. Inka Engel mit Florian Weber und Michael Klemm (August 2025):

Kulturgeschichte(n) „von unten“

„KuLaDig-RLP“ fördert durch Modellprojekte vor Ort gezielt eine Kommunalentwicklung „von unten“: Welche Objekte und Bräuche sind uns selbst wichtig und stiften vor Ort Identifikation? Worauf sind wir stolz, auch generationsübergreifend? Wie wollen wir diese Objekte als multimediale und digitale Daten öffentlichkeitswirksam und anwendungsbezogen fürs Web aufbereiten? Für welche Zwecke und in welchen Formen (etwa als Rundweg, Unterrichtsprojekt oder Spiel) wollen wir unser digitalisiertes kulturelles Erbe produktiv und kreativ einsetzen? Ausgangspunkt ist ein modernes, weltoffenes Heimatkonzept für Alteingesessene wie Zugezogene: Tradition erkennen, erfassen, bewahren und erlebbar machen, um Zukunft gemeinsam zu gestalten, in der kleinen ländlichen Kommune genauso wie im urbanen Kontext eines Großstadtviertels abseits touristischer Pfade. Es geht dem Projekt darum, dass historische Wissen vor Ort sichtbar zu machen, das meist ehrenamtlich oft über Jahre oder Jahrzehnte angeeignet wurde, aber in der Person von Zeitzeug:innen oder in Chroniken „schlummert“ – KuLaDig-RLP hat sich dem Gedanken der „Bürgerwissenschaft“ oder ‚Citizen Science‘ verschrieben.

Der Flyer zum Projekt – hier zum Download

Kooperationspartner und Netzwerke

Das Projekt wird vom Institut für Kulturwissenschaft der Universität Koblenz(-Landau) mit Unterstützung durch die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd durchgeführt. Von 2019 bis 2024 wurde das Projekt vom rheinland-pfälzischen Innenministerium mit rund 370.000 Euro sowie von der Universität Koblenz(-Landau) mit einer halben Mitarbeiterstelle finanziell gefördert. Mit nun 284.000 Euro für die Jahre 2025 und 2026 hat das MdI die jährliche Fördersumme nochmals deutlich erhöht. Das Landesprojekt kooperiert mit etlichen Institutionen in Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft und integriert Forschung wie Transfer in universitäre Lehre. Impulse erhält das Projekt auch durch einen mit vielfältigen Kompetenzen besetzten Beirat. Der Koordination von Aktivitäten im Land dienen auch die jährlichen KuLaDig-Netzwerktreffen, die vom Kompetenzzentrum organisiert werden.

Projektflyer auf Englisch zum Download

Pilotkommunen und Modelle

Das Projektteam versteht sich als Katalysator der Eigeninitiative in den Kommunen. 2019 wurden neun Pilotkommunen unterschiedlichster Region, Größe und Charakteristik gefördert, 2020 kamen weitere elf hinzu, 2021 nochmals zehn, 2022 waren es acht, 2023 waren es neun, 2024 waren es acht. Ziel ist es, anhand dieser Pilotkommunen Modelle zur systematischen Digitalisierung und Nutzbarmachung des kulturellen Erbes in kleinen wie großen Kommunen zu entwickeln und dadurch allen rheinland-pfälzischen Kommunen Verfahren und Leitfäden zur Verfügung stellen, um ihr kulturelles Erbe in die Wissensplattform KuLaDig einzubringen.

Übersicht über die im Projekt entwickelten Medien und Formate

Multimediale Kulturgeschichte(n)

Die digitale Dokumentation und Vermittlung identitätsstiftender Orte und Objekte sowie der immateriellen Kulturgüter, die mit ihnen verbunden sind, ist von immenser Wichtigkeit, von den Kommunen allein aber kaum zu leisten. Hier setzt das Projekt „KulaDig-RLP“ an und unterstützt Kommunen systematisch bei der digitalen Erfassung ihres kulturellen Erbes. Historische Objekte oder kulturelle Bräuche werden an geografischen Orten dokumentiert und durch Texte wie audiovisuelle Medien erfahrbar gemacht. Ob Scans von Dokumenten, historische Fotos und Filme, Audiodaten und selbstproduzierte Videos, in denen Zeitzeug:innen Erlebnisse und Erinnerungen für die Nachwelt sichern oder Expert:innen vor Ort die Objekte erläutern, virtuelle 360-Grad-Räume oder 3D-Rekonstruktionen – vieles lässt sich in Bezug zu dem jeweiligen Objekt setzen. Dieses reicht vom Einzelobjekt (beispielsweise einer Burg, einer Kirche, einem Brunnen, einem Wegekreuz) bis hin zu einem geografisch definierten Raum (eine Ortschaft, ein Stadtteil oder ein Kulturlandschaftsraum wie ein Weingebiet oder eine Burgen- und Flusslandschaft). Hinzu kommen immer wieder neue Ansätze, etwa die Nutzung von KI-Anwendungen. Alle erstellten Beiträge werden der Öffentlichkeit über kuladig.de und die gleichnamige kostenlose App verfügbar gemacht.

Literatur zum Projekt

Folgende Beiträge wurden zum/über das Projekt veröffentlicht:

Klemm, Michael (2024): Vermittlung historischen Wissens durch audiovisuelle Medien, Social-Media-Formate, Mixed Reality und Gamification. Konzept und Ergebnisse des Modellprojekts „KuLaDig Rheinland-Pfalz“. In: Sylvia Jaki / Matthias Meiler / Jana Pflaeging / Janina Wildfeuer (Hg.): Multimodalität in Wissensformaten. Berlin: Peter Lang (=Reihe Wissen – Kompetenz – Text), 325-355. Open Access unter: https://www.peterlang.com/document/1392872.

Klemm, Michael; Weber, Florian: Kulturelles Erbe digital sichtbar machen. Ergebnisse des Modellprojekts „KuLaDig Rheinland-Pfalz“ im Kreis Cochem-Zell. In: Jahrbuch des Kreises Cochem-Zell, 2022, 99-101.

Klemm, Michael / Florian Weber (2023): Kulturelles Erbe digital und multimedial „auf die Straße bringen“. Konzept und Ergebnisse des Modellprojekts „KuLaDig Rheinland-Pfalz“. In: Kulturelles Erbe digital und multimedial „auf die Straße bringen“. Konzept und Ergebnisse des Modellprojekts „KuLaDig Rheinland-Pfalz“. In: LVR-Dezernat Kultur und Landschaftliche Kulturpflege (Hg.). KuLaDig – Praxis und Erfahrungen. Köln: Landschaftsverband Rheinland 2023, 64-69.