Unsere multimedialen Stories

Kulturlandschaftsobjekte haben stets ihre ganz eigene Geschichte, sie lassen sich oft mit anderen zu größeren Zusammenhängen verbinden. Aus diesem Grund ermuntern wir alle am Landesprojekt teilnehmenden Kommunen dazu, die eigenen Objekte unter der inhaltlichen Klammer eines übergreifenden Rahmenthemas zu fassen. Auf diese Weise kann der Erzählfaden von einem Objekt zum anderen gesponnen werden und am Ende entfaltet sich eine vielseitige und facettenreiche Geschichte.

Zum Erzählen dieser Geschichten eignen sich spezielle Multimedia-Formate des ‚Storytellings‘. Im Folgenden wollen wir zwei Varianten vorstellen, mit denen wir in unserer Projektarbeit bereits arbeiten und die wir künftig weiter ausbauen möchten.

Multimediale Stories und Scrollytelling-Seiten

Beim Scrollytelling werden alle Informationen und Medien zu einem Thema oder Objekt auf einer einzigen Website zusammengestellt. Man erschließt sich die Inhalte nach und nach durch das „Scrollen“, also nach unten Wischen der wahrgenommenen Inhalte. Somit greift dieses Format die tradierte lineare Erzählweise auf und wandeln sie in einen multimedialen Gesamtkomplex um. Denn der Text wird durch Bilder, Audios und Videoclips Schritt für Schritt sinnvoll ergänzt, was zu einer lebendigen Erzählstruktur beiträgt. In gewissem Sinne lassen sich alle drei folgenden Formate dem Scrollytelling-Prinzip zuordnen:

Scrollytelling-Seiten „Auf den Spuren von Robert Schuman in Neustadt an der Weinstraße“

In Neustadt an der Weinstraße wurde im März 2026 ein Themenweg mit sechs Stationen zum Aufenthalt von Robert Schuman in den Jahren des Zweiten Weltkriegs eröffnet. Schuman, später einer der Gründerväter der Europäischen Gemeinschaft, war 1941/42 für anderthalb Jahre dort in Gestapo-Haft. Die multimediale Story zeichnet an ausgewählten Orten diese Zeit nach, vor allem in Form von Audio-Podcasts und anhand zahlreicher Fotos und Videos sowie historischer Dokumente. Ergänzt wird die Geschichte durch eigens angefertigte Zeichnungen und zeitgeschichtliche Informationen und Dokumente sowie Links zu weiteren Themenseiten.

Scrollytelling-Seiten „Flößergeschichte in Kamp-Bornhofen“

In Kamp-Bornhofen wurde ein Themenweg mit 9 Stationen zur Geschichte der Flößerei angelegt. Der KuLaDig-Themenbeitrag zur Flößergeschichte wurde dabei ergänzt durch Stories an jeder Station zu unterschiedlichen Aspekten des Themas. Die Seiten sind mit diversen Medien gestaltet, zum Beispiel mit historischen Fotografien, Videoclips, Wischbildern oder einem virtuellen Rundgang durch das Flößer- und Schiffer-Museum. Die Stationen sind im Ort gut zu erkennen durch das gelb-blaue Logo mit dem jeweiligen QR-Code zur Story.

Scrollytelling-Seiten „Lost Places in Römerberg“

Im pfälzischen Römerberg wurden etliche verschwundene Orte wieder durch digitale Geschichten sichtbar gemacht, etwa ein Keltengrab, eine Malzfabrik, der frühere Rheinverlauf, eine Ziegelei, ein Schlachtfeld, die Glocken einer Kirche – oder unten in Auszügen der Absturzort eines amerikanischen Bombers im Zweiten Weltkrieg. Auch hier haben wir für jeden Ort eine multimediale Story gestaltet, mit Fotos, Experten- und Zeitzeugenvideos, Amateuraufnahmen (zur Sprengung der Malzfabrik), Karten etc. – oft durch akribische Recherchen des lokalen Projektteams zusammengetragen.

Scrollytelling-Seite „Industriegeschichte Maikammer“

In Maikammer, Modellkommune 2019, wurde das Thema „Industriegeschichte“ thematisiert. Um wichtige Informationen über die einzelnen KuLaDig-Beiträge hinaus nochmal zusammenhängend und multimedial angereichert präsentieren zu können, wurde von Matthias Dreyer die Seite „Industriegeschichte Maikammer“ nach dem Scrollytelling-Prinzip erstellt.

Screenshot-Collage der Seite „Industriegeschichte Maikammer“.

In kurzen Kapiteln werden thematische Schwerpunkte behandelt. In diesen wechseln sich Textabschnitte, Audios und Bilder ab. Die einzelnen Teile können flexibel platziert werden. Erstellt wurde die Seite mit dem Online-Präsentations-Tool Office Sway von Microsoft.

Screenshot eines Kapitels zu den „Villen des Bürgertums“.

Die wechselseitige Verknüpfung von und zu passenden KuLaDig-Objekten erfolgt von KuLaDig und der Story-Seite aus über Textlinks. Auf diese Weise können jeweils vertiefende Informationen abgerufen werden.

Scrollytelling-Seite „Rittersturzkonferenz.de“

Eine weitere multimediale Seite nach dem Scrollytelling-Prinzip wurde 2023 unter Beteiligung des Landesprojekts von Stefan Meier zur „Rittersturzkonferenz“ erstellt – beauftragt von der Stadt Koblenz aus Anlass des 75. Jubiläums dieser wichtigen Konferenz im Vorfeld der Entstehung der Bundesrepublik.

Screenshot der Startseite der Seite „Rittersturzkonferenz. Ein Provisorium aus Koblenz mit Erfolgsgeschichte für Deutschland“, erstellt von apl. Prof. Dr. Stefan Meier, Medienwissenschaftler an der Uni Koblenz

Der Text ist in einzelne Abschnitte thematisch gegliedert und farblich gekennzeichnet. Es variieren Bilder in verschiedenen Größen, teilweise als Galerie angelegt, Dokumente und Presseartikel aus der Zeit sind ebenfalls eingebunden. Nicht zuletzt bietet diese Seite auch verschiedene Videoclips, beispielsweise einen „Welt im Film“-Bericht von 1948 oder ein Erklärvideo von Mirko Drotschmann (MrWissen2go“). Zudem kann man das längst abgerissene legendäre Rittersturzhotel hoch über Koblenz durch eine 3D-Rekonstruktion wieder virtuell besichtigen.

Screenshot der Seite „Rittersturzkonferenz. Ein Provisorium aus Koblenz mit Erfolgsgeschichte für Deutschland“ mit einem Videoclip, historischen Bildern und erläuterndem Textabschnitt.

Auf der Seite werden über Textlinks passende KuLaDig-Objekte angeboten. Vom KuLaDig-Beitrag des Berghotels Rittersturz aus wird sowohl über einen Screenshot in der Mediengalerie, als auch über einen Textlink die Seite ansteuerbar gemacht.

Screenshot des KuLaDig-Beitrags zum Berghotel Rittersturz mit dem verlinkten Screenshot der Scrollytelling-Seite.

Storymap „Die Unterwelt von Plaidt“

Im Teilprojekt „Pellenz“ aus dem Jahr 2021 wurde abschließend eine Storymap erstellt. Dieses Format entspricht ebenfalls dem Scrollytelling-Prinzip, sprich dem Erschließen von Inhalten von oben nach unten. Hier werden aber neben Bilder, Audios, Videos etc. auch interaktive Karten eingebunden. Auf diese Weise lassen sich Objekte und thematische Bezüge mittels Textabschnitten erläutern (Story) und über Karte(n) in Relation zueinander setzen (Map). Geografische Karten erzählen gewissermaßen die Geschichte(n) einer Region.

Startseite der Storymap „Die Unterwelt von Plaidt. Einbruchstellen und Stollensysteme des Tuff- und Trassabbaus“.

Die Storymap zu Plaidt enthält Textabschnitte und vier interaktive Karten, die unterschiedliche Fragestellungen bzw. Objektzusammenstellungen anbieten. Im „Rundweg durch den Ortskern“ werden 20 Orte und Objekte in einer Tour durch das Zentrum von Plaidt zusammengestellt. Alle Punkte in der Karte lassen sich anklicken und bieten dann Informationen zum jeweiligen Objekt in einem Pop-up-Fenster.

Screenshot der Rundwegs durch den Ortskern, hier der ersten Station „Alter Kirchplatz & Marzis Loch“.

Der Abschnitt „Großer Rundweg durch Plaidt“ enthält einen Textteil (links) und eine Karte (rechts). Den Textteil kann man scrollen, so dass man die Objekte (insgesamt 30) nacheinander angezeigt bekommt. Je nach Objektanzeige im linken Abschnitt wechselt auch die Objektverortung in der Karte.

Screenshot der Maß „Großer Rundweg durch Plaidt“, auch hier beginnt die Tour am „Alten Kirchplatz & Marzis Loch“.

In der vierten Karte werden alle KuLaDig-Objekte zusammengefasst. Da die Nummerierung der aus den vorigen Karten entspricht, weist die nummerierte Objektverortung in der Karte Lücken auf. In einem Pop-up-Fenster sind die KuLaDig-Objekte benannt und verlinkt.

Screenshot der Karte „KuLaDig-Objekte in Plaidt“, die Verlinkung erfolgt über die Objektbenennung links.

Die letzte Karte zeigt alle dokumentierten „Stollen und Keller in Plaidt“ an. In der Karte werden die Objektarten durch Farben differenziert und durch eine Nummerierung identifiziert. Große braunfarbige Kreise kennzeichnen Orte mit besonders hoher Objektdichte. Diese werden als einzelne Objekte sichtbar, wenn man in die Karte reinscrollt. Weiterführende Informationen zu den einzelnen Stollen, Einbruchstellen, Luftschutzbunkern und Britzekellern bietet diese Karte aufgrund der hohen Objektanzahl nicht an.

Screenshot der Karte „Stollen und Keller in Plaidt“, in der die Standorte von vier verschiedene Objekttypen dokumentiert werden.

Solche Scrollytelling-Seiten und Storymaps eignen sich sehr gut, um – ergänzend zu den KuLaDig-Inhalten – komplexe Themen, Fragestellungen und Phänomene zu behandeln – und vor Ort via QR-Code mit dem Smartphone verfügbar zu machen. Die Flexibilität in Hinsicht auf die Verwendung der einzelnen Medien-Bausteine (Textblock, Bilder, Videos und Audios. Links und Kartenausschnitte, Animationen, Quizzes etc.) erlauben eine nutzerorientierte, modulare und abwechslungsreiche Form der Wissensvermittlung: die Nutzer:innen entscheiden selbst, welchen Daten sie im Rahmen ihrer „Erkundung“ nutzen möchten. Wir möchten daher im Landeprojekt diese Formate stetig weiterentwickeln.