Ideenschmiede: Gründungsveranstaltung des Hambach-2032-Netzwerks

Am 30. Oktober fiel der Startschuss für das Netzwerk „Hambach 2032“ – eine Initiative, die Ideen für die Feierlichkeiten zum 200. Jahrestag des Hambacher Festes entwickeln soll. Am Originalschauplatz hoch über Neustadt an der Weinstraße trafen sich fast 100 Repräsentant:innen unterschiedlichster Einrichtungen aus ganz Rheinland-Pfalz und teils weit darüber hinaus, um sich gemeinsam in die Vorbereitung der Jubiläumsfeiern unter dem Motto „200 Jahre Wiege der deutschen Demokratie“ einzubringen, darunter auch Florian Weber als Vertreter des Landesprojekts KuLaDig-RLP und Michael Klemm in seiner Funktion als Vorsitzender des Instituts für Geschichtliche Landeskunde.

Zahlreiche Vertreter:innen von Institutionen aus Kultur und Wissenschaft, Medien und Politik kamen zur Netzwerkgründung zusammen.

Das so genannte „Hambacher Fest“ fand vom 27. bis zum 30. Mai 1832 im Umfeld der Schlossruine von Hambach an der Haardt statt, als „Nationalfest der Deutschen“. Es gilt als Höhepunkt bürgerlicher Opposition in der Zeit der Restauration und zu Beginn des Vormärz vor den revolutionären Ereignissen von 1848. Vorausgegangen waren politische Unruhen in Frankreich, Belgien und Polen. Die Forderungen der rund 30.000 Festteilnehmer nach nationaler Einheit, Freiheit und Volkssouveränität hatten ihre Wurzeln im Widerstand gegen die restaurativen Bemühungen des Deutschen Bundes. Die Teilnehmenden kamen aus allen Bevölkerungsschichten und aus zahlreichen Nationen, auch viele Frauen waren darunter. Schwarz-Rot-Gold wurde zum Symbol dieser Bewegung. Hauptredner waren die Publizisten Philipp Jakob Siebenpfeiffer und Johann Georg August Wirth, deren Zeitungen kurz zuvor verboten worden waren. Die Initiatoren des Festes wurden anschließend verhaftet und verurteilt, die schwarz-rot-goldenen Fahnen verboten, es folgte eine Phase der Repression. Das Hambacher Fest steht somit nicht für einen Sieg der Demokratie, sondern für die Notwendigkeit, trotz Rückschlägen im Bestreben um Freiheitsrechte nicht aufzugeben.

Geschichtsträchtiger Ort hoch über den Neustädter Stadtteil Hambach.

Bereits in der Einladung formulierte die Stiftung Hambacher Schloss den Anspruch des Netzwerks: „Angesichts der vielfältigen Herausforderungen, denen sich unsere Demokratie gegenwärtig ausgesetzt sieht, kommt der lebendigen Erinnerung an die wechselvolle deutsche Demokratiegeschichte eine zentrale Bedeutung zu. Die Auseinandersetzung mit Wegbereitern und Vorkämpferinnen, mit Orten und Symbolen, mit Erfolgen und Rückschlägen der Demokratie in Deutschland bietet einen Schutz gegen die Geringschätzung unseres demokratischen Staatswesens, seiner Institutionen und Exponenten. Zugleich bietet sie viele Ressourcen für eine wertschätzende Identifikation mit der Demokratie.“

In ihren Grußworten betonten Staatssekretärin Schneider und Staatsminister Weimer die Bedeutung solcher historischer Ort wie dem Hambacher Schloss für die Bewahrung der Demokratie.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von der Vorsitzenden der Stiftung Hambacher Schloss, der Staatssekretärin im Innenministerium Simone Schneider, und dem Kulturstaatsminister im Bund, Dr. Wolfram Weimer. Weimer betonte in seinem Grußwort die Bedeutung solcher Orte der europäischen Demokratiegeschichte für die Gegenwart, auch als Identifikationssymbol in Zeiten einer zunehmenden Spaltung der Gesellschaft. Zugleich sagte er eine stärkere finanzielle Unterstützung der Stiftung zu, da dem Hambacher Schloss eine bundesweite und sogar europäische Bedeutung zukäme.

An sechs Themenständen wurde eifrig diskutiert und konzipiert. Zum Schluss zogen die Moderator:innen eine erste Bilanz des Austauschs.

Anschließend ging es sofort an die Arbeit. An sechs moderierten Themenständen wurden zentrale Fragen erörtert und Ideen gesammelt, konkrete Projekte angeboten, Vernetzungen angestoßen. Erstaunlich, wie viele inspirierende Anschauungen und Anregungen in den rund drei Stunden der Veranstaltung schon zusammenkamen, die von den Moderator:innen zum Schluss stichwortartig präsentiert wurden. Im Nachgang des Gründungstreffens werden diese vielen Ideen nun strukturiert und weiter ausgearbeitet, um das nächste Treffen des Netzwerks vorzubereiten. Einig war man sich unter anderem, dass man schnellstmöglich mit den Initiativen und Projekten beginnen sollte und diese nachhaltig über das Festjahr hinaus gestalten muss. Ebenso wichtig war allen Arbeitsgruppen, möglichst alle Bevölkerungsgruppen zu integrieren und von Anfang an international zu denken. Ebenso klar wurde, dass man sich mit berechtigter Kritik an gesellschaftlichen Entwicklungen konstruktiv auseinandersetzen muss. Zugleich war allen bewusst, dass in Zeiten schneller Veränderungen, etwa bei politischen Diskursen oder medialer Entwicklungen, eine Planung über gut sechs Jahre in die Zukunft nicht einfach werden wird.

Insgesamt ein überaus inspirierender Austausch an einem geschichtsträchtigen Ort, eine willkommene Gelegenheit zur breiteren Vernetzung unter besonders engagierten Institutionen. Auch KuLaDig-RLP bringt gerne seine Expertise ein und freut sich auf die Fortsetzung des Austauschs im Netzwerk.

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