Kulturelles Erbe hat viele Gesichter – Folge 5: Elmar Knieps

Steckbrief

Name: Elmar Knieps

Funktion: Teil des KuLaDig-Teams Sinzig/Bad Neuenahr-Ahrweiler zur Bäderkultur in der Region, Vertreter des Vereins zur Förderung der Denkmalpflege und des Heimatmuseums in Sinzig e.V. im KuLaDig-Projekt und Mitglied im Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V. (RVDL)

Persönliches Motto:

Wir sind verantwortlich für die Bewahrung des Natur- und des Kulturerbes für uns und für kommende Generationen. Wer sollte das tun, wenn nicht wir?

Hintergrund:

Gebürtig aus Mayschoß im mittleren Ahrtal habe ich nach dem Abitur in Bonn Geographie und Biologie studiert. Als Diplom-Geograph kam ich über einen Werkvertrag zum Landschaftsverband Rheinland (LVR) in Köln. Dort war ich insgesamt über 35 Jahre in mehreren Dienststellen des Kulturdezernats tätig.

Die Konzeption und Entwicklung von KuLaDig begleitete ich seit den Anfängen im Jahr 2000. Seit dem Produktivstart von KuLaDig in der Version 2.16 zum Jahresbeginn 2008 bin ich Mitglied der KuLaDig-Redaktion beim LVR. Zu meinen Aufgaben gehörten bis zum Eintritt in den Ruhestand u.a. die Begleitung des technischen Betriebs sowie der technischen Weiterentwicklung von KuLaDig, die Betreuung und Kontaktpflege zu den KuLaDig-Partnerinstitutionen, die Abstimmung mit den Kulturdienststellen des LVR, Redaktionstätigkeiten sowie die Mitarbeit in Projekten, nicht selten in koordinierender oder gar leitender Funktion.

Mit ursächlich für die Entwicklung von KuLaDig (Kultur. Landschaft. Digital.) als ein Informationssystem über die Historische Kulturlandschaft und das landschaftliche Kulturelle Erbe durch den LVR war die Einführung des Planungsunterstützungsinstruments der Umweltverträglichkeitsprüfung in Europa und damit auch in Deutschland. Damit wurde das landschaftliche Kulturelle Erbe fester Bestandteil von raumrelevanten Planungs- und Entscheidungsprozessen. Zunächst umfasste die Zielgruppe von KuLaDig Akteure in der räumlichen Planung, denn es sollte eine Wissensbasis geschaffen werden, die eine Berücksichtigung der Belange des landschaftlichen Kulturerbes ermöglichen, wenn nicht sogar sicherstellen sollte. Dieser Ansatz gipfelte in der Erarbeitung von kulturlandschaftlichen Fachbeiträgen für die Landes- und Regionalplanung in Nordrhein-Westfalen, deren Inhalte auch in KuLaDig abgebildet wurden.

Schon bald wurde deutlich, dass auch andere öffentliche und ehrenamtliche Institutionen ein Interesse entwickelten, „ihre“ spezifischen Inhalte in KuLaDig zu dokumentieren und zu präsentieren. Es entstand ein Netzwerk von Einrichtungen und Personen, das sich auch über die Verbandsgrenzen des LVR hinaus erstreckt. Entsprechend entwickelten und diversifizierten sich die KuLaDig-Inhalte. Durch Kooperationen mit Universitäten konnte sich die KuLaDig-Redaktion über viele junge Autorinnen und Autoren freuen, die natürlich auch betreut werden wollten und sollten. 

Einer innovativen und kreativen Kartographin im KuLaDig-Team des LVR ist es zu verdanken, dass das Storytelling Einzug in das Präsentations-Portfolio von KuLaDig nehmen konnte. Sogenannte Storymaps gehören seit einigen Jahren zu den Appetithappen, die Interessierte zu den KuLaDig-Inhalten locken und sich wachsender Beliebtheit erfreuen.

Mit dem Start des Projekts KuLaDig-RLP hat KuLaDig inhaltlich und vor allem hinsichtlich der Präsentationsformate noch einmal einen deutlichen Entwicklungsschub erfahren.

Letztlich ist es die Zusammenarbeit von Menschen aus ganz unterschiedlichen Fach- und Interessenbereichen, die den Erfolg von KuLaDig ausmachen. Denn wir alle sind Expertinnen und Experten für spezifische Fragen, deren Bearbeitung im Team Freude bereitet und zweifelsohne auch der Sache dient. Da das Mitmachen seit mindestens 15 Jahren zum Markenkern von KuLaDig gehört, habe ich vor, auch im Ruhestand weiterhin bei KuLaDig mitzumachen, vor allem auch deshalb, weil ich mir nun die Inhalte quasi aussuchen kann, die den Weg in KuLaDig finden sollen.

Elmar Knieps hält einen Vortrag zum Thema „Mühlen in der Kulturlandschaft – Mühlen im System KuLaDig“ in der Volkshochschule Duisburg (2022).

Was bedeutet Ihnen kulturelles Erbe? Warum ist es für Sie so wichtig, sich dafür zu engagieren?

Das materielle wie das immaterielle Kulturerbe sind Manifestationen der Menschheitsgeschichte auf unserem schönen Planeten. Damit ist das kulturelle Erbe quasi Erbe der Menschheit und jedes Einzelnen von uns. Dieses Erbe macht uns bewusst, woher wir kommen, lässt uns unsere Geschichte nachvollziehen, nicht zuletzt in der Hoffnung, aus der Geschichte zu lernen. Unser landschaftliches Kulturerbe repräsentiert ein Stück weit unsere lokale und regionale Identität, unsere Heimat. Wie auch mit dem Naturerbe scheinen wir als Gesellschaft den sorgsamen Umgang mit dem Kulturerbe „verlernt“ zu haben. Dabei sind es nicht nur die allseits bekannten Denkmäler und Landschaften, zum Beispiel der Kategorie des UNESCO-Welterbes, die unsere Kulturlandschaften ausmachen. Es sind vielfach die kaum (mehr) beachteten Kulturlandschaftselemente in unserer Umgebung, die ein Heimatgefühl hervorrufen: Kleindenkmäler, alte Wege, vegetative Strukturen, „alte“ Bauwerke, die mitunter ihre ursprüngliche Funktion verloren haben, unsere umgestalteten Gewässer, u.v.m. Diese historischen Kulturlandschaften mit ihrem vielfach typischen Inventar gilt es zu bewahren, wenn nicht wenigstens in Teilen vor Ort in der Landschaft, dann zumindest leicht zugänglich für alle Interessierten in digitalen Formaten. 

Dabei sollte ein besonderer Fokus auf Ereignis- und Erinnerungsorten liegen, und auch die Menschen, die an der Gestaltung der Kulturlandschaft beteiligt sind, sollten ihren Platz in Vermittlung und Dokumentation finden.

Elmar Knieps mit Kolleginnen der LVR-KuLaDig-Redaktion in Köln, Foto: Klaus Kleefeld.

Was machen Sie konkret zur Bewahrung oder Präsentation des kulturellen Erbes?

Die grundlegende Intention von KuLaDig ist es, die Menschen umfassend zu unserem landschaftlichen Kulturerbe zu informieren. Nur was man kennt, wertschätzt man. Durch Information und Inspiration sollen die Menschen für das kulturelle Erbe begeistert werden, es wertschätzen lernen und sich schließlich vielleicht sogar für dessen Bewahrung einsetzen. Hieraus entsteht für mich der Antrieb, möglichst viele Facetten des landschaftlichen Kulturerbes in unserer Region als Objekte in KuLaDig abzubilden und mit anderen Objekten oder Themen in Beziehung zu setzen. Daher arbeite ich auch im Ruhestand als Autor und Redakteur bei KuLaDig mit. Darüber hinaus bin ich im örtlichen Denkmalverein sowie im RVDL aktiv.

Die letzten beiden KuLaDig-Projekte, in welchen ich mitarbeitete,  beinhalten die Abbildung der Wassermühlen im benachbarten Brohltal sowie der denkmalgeschützten Objekte in Sinzig und seinen Stadtteilen.

Welche Erfahrungen haben Sie während Ihrer Projektarbeit gemacht?

Ohne eine zumindest kleine Gruppe von engagierten Menschen, die bereit sind, ihr Wissen mit anderen zu teilen, sind Wissensdokumentation und Wissensvermittlung nicht machbar. Wenn darüber hinaus bei der Vermittlung ein breites Zielgruppenspektrum angesprochen werden soll, müssen auch die Vermittlungsformate variabel sein. Also ist Teamwork angesagt.

Was mir bereits vor dem Projekt bekannt war, was aber während des Projekts noch einmal deutlich wurde, ist die Tatsache, dass wir tolle kleine und größere Museen und Archive im Land haben, die dank kompetenter und engagierter haupt- und ehrenamtlicher leitender und mitarbeitender Menschen die Bewahrer unseres kulturellen Erbes und des Wissens darum sind. Dank ehrenamtlicher Unterstützung sind diese Einrichtungen oft schon sehr weit mit der Digitalisierung vorangekommen.

Elmar Knieps (zweiter von Links) als Ehrenamtler gemeinsam mit Mitgliedern des kommunalen Projektteams Sinzig / Bad Neuenahr-Ahrweiler auf dem KuLaDig-RLP-Netzwerktreffen 2024, Foto: Florian Weber.

Wie ging es weiter nach dem Projektende?

Das Thema Bäderkultur in der Region ist längst noch nicht umfassend dokumentiert, hier stehen noch viele Themen- und Objektartikel aus, an welchen bereits gearbeitet wird; auch sind noch etliche Videos und Podcasts in Planung.

Daneben sind der Weinbau an der Ahr und am Unteren Mittelrhein sicher lohnende Themen für KuLaDig und KuLaTouren. Schließlich stehen die Geschichte der Ahrtalbahn und die Folgen der Flutkatastrophe im Ahrtal im Juli 2021 noch auf der Liste künftiger Projekte, wie auch die Dokumentation der Bau- und Bodendenkmäler sowie der Denkmalzonen in den Gemeinden des Kreises Ahrweiler. Zu all diesen Themen haben auch die hier lebenden Menschen spannende Geschichten zu erzählen, die es zu dokumentieren gilt.

Elmar Knieps (ganz links) beim Videodreh für das KuLaDig-RLP-Teilprojekt Sinzig / Bad Neuenahr-Ahrweiler im Kurpark, Foto: Olaf Nitz / Nitz-Fotografie Montabaur.

Was wünschen Sie sich für die nächsten Jahre?

Die Weiterentwicklung des Portals KuLaDig durch den Landschaftsverband Rheinland (LVR) und seine Partner im Verbund mit den anderen digitalen Angeboten des LVR sowie die Fortführung des Projekts KuLaDig Rheinland-Pfalz. Vielleicht lassen sich der LVR und der RVDL ja auch von den Erfahrungen aus Rheinland-Pfalz inspirieren, den Menschen im Rheinland KuLaDig in ähnlicher Weise näher zu bringen und sie beim Mitmachen zu begleiten.

Titelbild: Mit Schreibblock und Fotoapparat unterwegs, Kulturlandschaftserfassung vor Ort. –  Foto: Katrin Becker

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